Full text: Beiträge zur Erläuterung des deutschen Rechts (Jg. 17 = N.F. Jg. 2 (1873))

10. Literatur

10.1. Theorie und Praxis des heutigen gemeinen preußischen Privatrechts auf der Grundlage des gemeinen deutschen Rechts. Von Franz Förster, Dr. d. R., Geh. Oberjustizrath und vortr. Rath im Justizministerium. IV. Band. Zweite Hälfte. Berlin 1843. Druck und Verlag von Georg Reimer

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Literatur.

ii.
Theorie und Praxis des heutigen gemeinen preußischen Privatrechts auf der
Grundlage des gemeinen deutschen Rechts. Bon Franz Förster, vr. d. R.
Geh. Oberjustizrath und vortr. Rath im Justizministerium. IV. Band.
Zweite Hälfte. Berlin 1843. Druck und Verlag von Georg Reimer.
Mit dieser Lieferung ist das in unfern „Beiträgen" nach dem jedes-
maligen Erscheinen der einzelnen Theile angezeigte Werk nunmehr zum voll-
ständigen Abschluffe gelangt.
Die jetzt vorliegende zweite Hälfte des IV. Bandes beschließt die Dar-
stellung des Erbrechts in einer Weise, welche uns wohl berechtigt, das
Urtheil zu wiederholen, daß diese Darstellung den Glanzpunkt des ganzen
Werkes bildet. Die zweite Abtheilung dieser Lehre behandelt das Recht aus
der Erbfolge in fünf Abschnitten, nämlich den Erwerb der Erbschaft, den
Erwerb der Vermächtnisse, die Veräußerung der Erbschaft, den Verlust der
Erbschaft und des Vermächtnisses, den Schutz des Erbrechts. Aus dem ersten
Abschnitte ist besonders hervorzuheben die Gegeneinanderstellung der beiden
Systeme über Anfall und Erwerb der Erbschaft und der daraus zu ziehenden
Conseguenzen, die Erörterungen über die Bedeutung der Rechtswohlthat des
Inventars und deren Voraussetzung, vor Allem aber die Darstellung des
Rechtsverhältnisses der Miterben. In letzterer Hinsicht ist von besonderem
Jntereffe die eingehende Kritik des Plenarbeschlusses des Ober-Tribunals vom
16. März 1857, die der Verfasser mit den Worten einleitet: „Eine wissen-
schaftliche Bearbeitung des preußischen Rechts darf sich der Pflicht nicht ent-
ziehen, dieses Dogma genau und streng zu prüfen, denn seine Tragweite ist
sehr groß, die ihm zu Grunde liegende Theorie völlig neu, in Wahrheit eine
spontane Erfindung und ein Beweis dafür, daß auch zuweilen die Praxis
„nur Theorie" treibt. Das ist aber viel bedenklicher, als wenn ein Schrift-
steller falsche Theorien aufstellt, denn bei Letzterem bleiben sie Behauptungen,
bei den Praktikern aber äußern sie sofort ihre Wirkungen auf den Rechts-
verkehr und das Leben" (S. 299). In wesentlicher Uebereinftimmung mit
den scharfen Gegenausführungen Göppert's (Zur Lehre vom Miteigenthum
S. 107 f.) gelangt Förster zur gänzlichen Verwerfung des vom Ober-Tribunal
aufgestellten Dogmas, indem er am Schluffe aus neueren Entscheidungen als
die Ansicht des höchsten Gerichtshofes nachweist, daß die Verfügung eines
Miterben über ein einzelnes Nachlaßstück auf Höhe seines Antheils an der
Erbschaft nicht absolut, sondern nur relativ ungültig ist, daß sie gültig wird,
wenn später das Nachlaßstück diesem Miterben überwiesen wird. „Wird dies
aber angenommen, so verliert der Plenarbeschluß wieder gänzlich feinen In-
halt, denn dann ist zugsgeben, daß der einzelne Miterbe über seinen Antheil

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