Full text: Beiträge zur Erläuterung des deutschen Rechts (Jg. 17 = N.F. Jg. 2 (1873))

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1. Er sei nicht bloß Agent der Klägerin, sondern auch der Han-
delsgesellschaft I. und A. Schönstedt in Erfurt gewesen. Beide
Gesellschaften seien durch dieselben Personen gebildet. Für beide
Gesellschaften habe er Waarenverkäufe bewirkt, Gelder ein-
cassirt rc. Wegen der Identität der Personen müsse die
Klägerin sich seine Forderungen auch an die Handelsgesellschaft
I. A. Schönstedt im ganzen Umfange in Anrechnung bringen
lassen. Diese Forderung betrage 21 Thlr. 8 Sgr.
2. In der Zeit vom 22. März 1865 bis 31. Mai 1867 —
behauptete der Verklagte ferner — habe er für die Klägerin
selbst Incassogeschäfte zum Gesammtbetrage von 42,892 Thlr.
14 Sgr. 6 Pf. bewirkt, wofür ihm Vs Provision, also 142 Thlr.
29 Sgr. gebührten, die er ebenfalls von der geklagten For-
derung in Abzug zu bringen berechtigt sei.
Das Stadt- und Kreisgericht Magdeburg verstattete in seinem
Erkenntnisse vom 23. März 1870 den Verklagten nur mit der zweiten
Gegenforderung zur Compensation, mit der ersten wies es ihn aus
folgenden Gründen ab.
Nirgends sind der Mensch und die Person, d. h. das Subjekt
von Rechten und Verbindlichkeiten, so streng unterschieden, wie im
Kaufmannsstande. Hier tritt die kaufmännische Persönlichkeit voll-
ständig selbstständig auf; sie hat ein von dem Leben ihres physischen
Trägers häufig unabhängiges Leben, sie hat einen von dem Namen
ihres physischen Trägers häufig verschiedenen Namen. Diese kauf-
männische Persönlichkeit, die von der physischen Person getrennt ge-
dachte Funktion des Kaufmanns im Verkehrsleben, wird als Firma be-
zeichnet. Bei der Handelsgesellschaft hebt sich die handelsrechtliche Per-
sönlichkeit als eine gemeinsame, von den verschiedenen einzelnen Per-
sonen, aus denen sie besteht, am deutlichsten ab. Jede unter einer
gemeinsamen Firma selbstständig wirkende Genossenschaft von Menschen
ist ein für sich bestehendes Rechtssubjekt und gilt dieses auch dann,
wenn eben dieselben einzelnen physischen Personen zu einer zweiten Ge-
nossenschaft unter einem andern Namen sich vereinigen. Beide Ver-
einigungen, mögen sie immerhin aus denselben physischen Personen be-
stehen, sind zwei von einander unabhängige Rechtssubjekte. Die Han-
delsgesellschaft I. und A. Schönstedt ist somit auch ein ganz anderes
Rechtssubjekt als die Handelsgesellschaft Gebrüder Schönstedt und schon
aus diesem Grunde, da Schuldner und Gläubiger des Verklagten nicht
dieselben Personen sind, findet eine Compensation nicht statt. Die

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