Full text: Beiträge zur Erläuterung des deutschen Rechts (Jg. 43 = 6.F. Jg. 3 (1899))

15. Abhandlungen

15.1. Haftung der Erben für Nachlaßverbindlichkeiten : (Schluß)

Abhandlungen.

21.
Haftung der Erben für NachlaßvertündUchkritrn.
Vom Oberlandesgerichtspräsident vr. Eccius.
(Schluß von Nr. 16 dieses Jahrgangs.)

III. Verhältniß der Miterben zu den Nachlaßgläubigern.
Das Bürgerliche Gesetzbuch weist beim Vorhandensein einer Mehr-
heit von Erben die Verwaltung des Nachlasses der gemeinschaftlichen
Willensthätigkeit dieser Miterben zu und versagt dem Einzelnen jede
Verfügung über einen Antheil an den einzelnen zum Nachlaß gehörigen
Gegenständen. Diese vom gemeinen Recht abweichende, an die land-
rechtliche Auffassung sich anschließende Regelung mußte nothwendig
auch die Rechtsstellung der Miterben zu den Nachlaßgläubigern be-
einflussen. Das preußische A.L.R. begnügt sich hier mit der Be-
stimmung, daß die Miterben, soweit sie nicht wegen Verlust der
Rechtswohlthat des Inventars in anderer Weise haften, bis zur
Theilung des Nachlasses gemeinschaftlich für die Nachlaßverbindlich-
keiten in Anspruch zu nehmen sind (A.L.R. I. 17 § 127), d. h. nicht
solidarisch, sondern in der Weise, daß sie nur zusammen auf Leistung
aus dem Nachlaß verklagt werden können, woraus folgt, daß sie
gegenüber einem so verfolgten Anspruch in nothwendiger Streit-
genossenschaft stehen. Erst nach der Theilung können die einzelnen
Jnventarerben in Anspruch genommen werden, die Erben ohne Vor-
behalt schon vorher, aber zunächst nur nach dem Verhältniß ihres
Erbantheils.
Das Bürgerliche Gesetzbuch erkennt die Zulässigkeit einer Ver
folgung der Erbengemeinschaft an, oder es setzt sie vielmehr als
zulässig voraus, indem es seiner Regelung der Rechtsverfolgung
gegen die einzelnen Miterben den Satz hinzufügt, daß das Recht
der Nachlaßgläubiger, die Befriedigung aus dem ungetheilten Nach-
Beiträge, XLIII. (VI. F. III.) Zahrg. 6. Heft. 51

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