Full text: Beiträge zur Erläuterung des deutschen Rechts (Jg. 43 = 6.F. Jg. 3 (1899))

8.8. Mantey, W., Amtsrichter a. D.: Das Eheschließungsrecht des deutschen Bürgerlichen Gesetzbuchs zum praktischen Gebrauch für Standesbeamte, zugleich ein Wegweiser für Eltern und Vormünder

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Literatur.

7.
Vas Eheschließirngsrecht des deutschen Mrgerlichen Gesetzbuchs zum
praktischen Gebrauch für Standesbeamte, zugleich ein Wegweiser für
Eltern und Vormünder von W. Mantey, Amtsrichter a. D. Berlin
1898. Verlag von H. Liebau. (M. 1,—.)
Das Werk behandelt auf 96 Seiten zunächst die formellen, dann
die materiellen Erfordernisse der Eheschließung, die Ehehindernisse und
die Folgen ihrer Mchtbeachtnng. Schließlich wird der Gesetzestext des
Personenstandsgesetzes unter Einfügung der Paragraphen des B.G.B.,
die an die Stelle der aufgehobenen Bestimmungen treten, wiedergegeben.
In §§ 15 u. 16 sind die in den verschiedenen Bundesstaaten geltenden
Bestimmungen über die Erlaubniß zur Eheschließung von Militärpersonen
und Beamten, in § 17 die Vorschriften kurz zusammengestellt, die in
den Bundesstaaten für die Eheschließung mit Ausländern zu beachten
sind. §18 endlich behandelt das im rechtsrheinischen Bayern geltende
Ehehinderniß des mangelnden Verehelichungszeugnisses.
Der Verfasser will in erster Linie den Standesbeamten, sodann
aber auch Eltern und Vormündern dienen. Diesem Zwecke wird er
vollauf gerecht. Das Werk ist klar und übersichtlich geschrieben. Die
Erörterung von juristischen Streitfragen, die auf den nicht juristisch
gebildeten Leser störend wirken könnte, ist vermieden. Dem Juristen
kann das Buch zur Einführung in die Materie empfohlen werden,
zumal da dieselbe künftig auch den Amtsrichter in erhöhtem Maße be-
schäftigen wird. (§ 69 Ges. über die Angelegenheiten der freiw. Gerichts-
barkeit.)
Nicht beitreten möchte ich der Ausführung, (S. 27) daß eine Ehe,
die ohne Wissen der Frau mit einem nicht ehemündigen Manne ge-
schlossen ist, von dieser auf Grund der §§ 1333, 1334 angefochten
werden könne. Ein „innerer Widerspruch zwischen der dominirenden
Stellung des Ehemannes über die Frau und seiner eigenen Unterwer-
fung unter einen Vormund" besteht keineswegs, wie die Möglichkeit der
Eheschließung von entmündigten Verschwendern und Geistesschwachen
ergiebt. Bloß mit Rücksicht aus die Thatsache, daß das Alter des ihr
sonst genehmen Mannes ihr nicht genau bekannt war, ohne das Hinzu-
treten weiterer Thatsachen wird die Frau schwerlich geltend machen
können, daß sie bei Kenntniß der Sachlage und verständiger Würdigung
des Wesens der Che dieselbe nicht eingegangen sein würde.
Daß beim Vater, selbst wenn er in der Geschäftsfähigkeit beschränkt
ist, das Recht verbleibt, seine elterliche Einwilligung zum Eheschluß zu
geben, ist auf S. 34 richtig ausgeführt. Häufig wird dennoch seine
Einwilligung unnöthig sein, weil er z. B. als Geistesschwacher oder vor-
läufig Bevormundeter dauernd außer Stande ist, eine Erklärung abzu-
geben. Dies ist auf S. 41 angedeutet. Ein Hinweis hierauf würde
sich auch auf S. 34 empfohlen haben.
Zur Vollständigkeit der Darstellung, die ja besonders für Eltern
bestimmt ist, hätte ein Hinweis auf § 1621 B.G.B. gehört, wonach die

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