Full text: Beiträge zur Erläuterung des deutschen Rechts (Jg. 43 = 6.F. Jg. 3 (1899))

8.7. Boehm, J., Rechtsanwalt und Notar: Das materielle und formelle Reichsgrundbuchrecht

Boehm, Das materielle und formelle Reichsgrundbuchrecht. 273

6.
Vas materielle und formelle Neichsgrnndbuchrecht. Für die Praxis erläutert
von I. Boehm, Rechtsanwalt und Notar. Hannover 1898. Helwing'sche
Verlagsbuchhandlung. (M. 10,—.)
Vorstehend genanntes Werk enthält die wesentlichsten auf das Jm-
mobiliarrecht bezüglichen Vorschriften des B.G.B. und des E.G. dazu,
die Reichsgrundbuchordnung, sowie endlich das Reichszwangsversteigerungs-
gesetz. Letzteres, lediglich im Abdruck wiedergegeben, bildet den Schluß
des Buches und wäre praktischer fortgelassen worden; denn es ist nicht
recht einzusehen, welche Vortheile sich der Verfasser von jener, die Ueber-
sichtlichkeit und Handlichkeit des Bandes beeinträchtigenden Textwieder-
gabe versprochen haben sollte. Der übrige Theil der zum Abdruck ge-
brachten Gesetzesvorschriften ist kommentirt und es darf rücksichtlich ihrer
konstatirt werden» daß es im Allgemeinen dem Verfasser gelungen ist,
abgesehen von dem schon durch das Gesetz selbst zusammengefaßten
formellen, auch das materielle Grundbuchrecht auszusondern, sodaß im
Wesentlichen der Inhalt des Werkes erfüllt, was der Titel des Buches
verspricht. Daß sich unter alledem, was der Verfasser in seinen An-
merkungen bietet, auch manches Anfechtbare findet, darf bei dem jetzigen
Stande der Literatur über das B.G.B. nicht eben Wunder nehmen, da
das gleiche Schicksal wohl mehr oder weniger alle Abhandlungen theilen,
welche bisher über unser neuestes Gesetzesrecht verfaßt sind. Ins-
besondere darf man behaupten, daß noch geraume Zeit vergehen wird,
bis die glossa ordinaria zum Immobilior- und vor Allem zum Hypo-
thekenrecht geschrieben werden kann. Daher möchte Referent sich auch eines
Eingehens auf Einzelheiten enthalten und lediglich Folgendes hervorheben:
Das Buch macht nicht gerade Anspruch auf Originalität und
Selbständigkeit, es soll vielmehr vor allen Dingen für den bereits in
der Praxis stehenden Juristen eine Erleichterung beim Studium des
neuen Rechts bieten. Schwerlich wird das Werk, so wie es uns jetzt
vorliegt, einen dauernden wissenschaftlichen Werth haben, wohl aber
kann es der großen Zahl von Fachgenossen von Nutzen sein, welche
augenblicklich in der Lage sind, wie der Verfasser selbst, sich in die kom-
plizirte Materie der Grundbuchrechts von Neuem einzuarbeiten. Es ist
ein Mittelding zwischen Kommentar und Lehrbuch, was der Verfasser
geschaffen hat, zu dessen Verständniß ganz besonders die ungekünstelten,
dem realen Leben entnommenen Beispiele beitragen, und gerade in
dieser eigenartigen Gestaltung wird das Werk, indem es den Gang und
die Resultate des Selbststudiums des Verfaffers wiedergiebt, dem Notar
sowie dem Grundbuchrichter ein willkommenes Hülfsmittel sein. Ver-
missen muß man ein genaueres Eingehen auf das bisherige, vor Allem
auf das preußische Jmmobiliarsachenrecht; gerade dem Leserkreise, an
welchen sich der Verfasser vornehmlich wendet, würde durch eine derartige
Vergleichung mit den ftüher geltenden, bekannten Rechtssätzen die Lektüre
besonders faßlich gemacht und erleichtert worden sein. Ramdohr.

Beiträge, XLIII. (VI. F. III.) Zahrg. 1. u. 2. Heft.

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