Full text: Zeitschrift für deutsches Recht und deutsche Rechtswissenschaft (Bd. 7 (1842))

7. Von der bauerschaftlichen Meent-Verfassung in Dithmarschen und ihrer heutigen Reform

V.
Do« der bauerfehaftliche« Meentverfaffung
in
Dithmarschen und ihrer heutigen Reform
Von
Dr. A. L. J. Michelsen,
Professor der Rechte ln Jena.

Erst in neuester Zeit haben historisch-statistische Forschungen in
weiterem Umfange das unumstößliche Resultat ergeben, daß die Feld-
gemeinschaft keine später im Mittelalter aufgekommene willkürliche
Einrichtung, sondern daß sie ursprüngliche Agrarverfassung ist. Aber
auch ohne diese historischen Beweise würde man durch eine richtige
Auffassung des Wesens der Feldgemeinschaft zu dem Ergebnisse ge-
langen, daß die Entstehung derselben mit der Entstehung des Dorfes,
mit der ursprünglichen Niederlassung zusammenfällt. Wenn es daher
noch namhafte Cameraliften giebt, welche den Anfang der Feldge-
meinschaft auf das Machtgebot eines Ober-Eigenthümers an seine
Hintersassen zurückführen möchten, oder gar der Meinung sind, daß
habsüchtige Geistliche und fehdelustige Ritter sie absichtlich als Fessel
des Ackerbaues erfunden und eingeführt haben: so erklärt sich, ab-
gesehen von den unhistorischen Vorstellungen über das Mittelalter
1) Bei den Klagen, welche über die Unzureichenheit und mitunter
Unpäßlichkeit der heutigen Feldgeseßgebnng und Dorfgemeinde-Ver-
fassung in den meisten deutschen Ländern gehört werden und noch
jüngst auf einer Versammlung der deutschen Landwirthe laut wur-
den, möchte es an der Zeit feyn, einen Blick in die Vergangenheit
zu werfen; und gewiß wird daher diese Abhandlung, indem sie
uns die Entwicklung der bauerschaftlichen Gemeinde-Verfassung,
wenn schon nur im Hinblicke auf einen Theil von Deutschland, zur
Anschauung bringt, willkommen geheißen werden. R.

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