Full text: Sächsisches Archiv für bürgerliches Recht und Prozeß (Bd. 9 (1899))

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Vertragsabschluß durch Fernsprecher.

trage versehenen Personen verschlossen wäre. Thatsächlich sind denn auch, wie
jeder Berliner Geschäftsmann weiß oder doch wissen muß, derartige Sperrvor-
richtungen in Berlin nicht üblich; im Gegentheil hat sich hier der Gebrauch aus-
gebildet, einerseits den Apparat an möglichst leicht zugänglichen, dem Personal
nicht versperrten Stellen anzubringen, andererseits seine Benutzung nicht bloß
durch die Angestellten, sondern auch durch Kunden-und Hausgenossen zu dulden.
Daß hierdurch die Zuverlässigkeit telephonischer Erklärungen eine Einbuße erleiden
mußte, bedarf keiner Erörterung. Es hat denn auch thatsächlich, wie aus zahl-
reichen, in den Tageblättern veröffentlichten Mitthcilungen und Gerichtsverhand-
lungen hinreichend bekannt geworden ist, vielfach ein Mißbrauch des Telephons
durch Unbefugte stattgefunden. Dieser Mißbrauch kann aber nur dazu führen,
das Vertrauen in die Richtigkeit telephonischer Erklärungen im allgemeinen zu
erschüttern. Ein sorgfältiger ordentlicher Kaufmann wird daher telephonisch zu-
gegangene Aufträge nicht ohne Weiteres ausführen; er wird vielmehr, wie dies
iin telephonischen Verkehr schön längst üblich ist, durch Rückfrage oder in anderer
Weise zunächst über die Richtigkeit der Ordre sich Gewißheit verschaffen müssen.
Unterläßt er dies, so thut er es auf seine Gefahr.
Andererseits aber erheischt die dona, fide« des Handelsverkehrs, daß jeder
Kaufmann, sobald er von dem Mißbrauch seines Namens durch einen Angestellten
Kenntniß erlangt, dem Getäuschten sofort seinen Widerspruch erkennbar macht,
wenn anders nicht sein Schweigen als Genehmigung aufgefaßt werden soll. Ob
der Mißbrauch seines Namens mündlich, telephonisch, brieflich, telegraphisch oder
durch Vermittelung eines Boten erfolgte, ist dabei ebenso gleichgültig, wie cs
nicht darauf ankommen kann, ob der Erklärende sich fälschlich des Namens
seines Chefs bediente oder fälschlich sich als dessen Bevollmächtigter zeigte." —
Es wird dann weiter ausgesührt, daß es Pflicht des Beklagten, der von
der unbefugten Bestellung etwa 2 Stunden nach der Lieferung Kenntniß erhalten
habe, gewesen wäre, den Jrrthum des Klägers, es seien die Waaren von ihm —
dem Beklagten — bestellt gewesen, aufzuklären. „Der Beklagte mußte als
ordentlicher Kaufmann wissen und damit rechnen, daß, wenn er das nicht that,
der Kläger aus seinem Schweigen nur den Schluß ziehen konnte, die Bestellung
sei mit seiner Genehmigung erfolgt. Das den Handelsverkehr beherrschende
Prinzip von Treu und Glauben erheischte es daher, daß wenn er die Konsequenzen
seines Schweigens nicht wollte, .er sich deutlich äußerte und dem Kläger zu er-
kennen gab, daß er die Lieferung der ohne seine Genehmigung bestellten Waaren
nicht anerkenne." —
Der Einwand des Beklagten, die Bestellung beanstandet zu haben, wird
alsdann auf Grund der Beweisergebnisse als unzutreffend angesehen, da Be-
klagter nach den Zeugenaussagen nur die Waare wegen Unbrauchbarkeit zur Dis-
position gestellt, also nur die Lieferung, nicht dagegen die Bestellung beanstandet
habe, und am Schluß noch bemerkt: „Es ist mithin davon auszugehen, daß Be-

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