Full text: Sächsisches Archiv für bürgerliches Recht und Prozeß (Bd. 9 (1899))

20. Abhandlungen

20.1. Die Entmündigung wegen Trunksucht nach dem zukünftigen Deutschen Recht

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Abhandlungen.
Die Entmündigung wegen. Trunksucht nach dem zukünftigen
deutschen Recht.
Bortrag, gehalten am 13. April 1899 in der Forensisch-psychiatrischen Vereinigung
zu Dresden vom Landrichter B. Doehn.
Meine Herren! Es ist eine erfreuliche Thatsache, daß sich seit der Kaiser-
lichen Botschaft vom 17. Novbr. 1881 unsre deutsche Gesetzgebung redlich bemüht,
den sozialpolitischen Anforderungen der Zeit gerecht zu werden.
Diese Erscheinung tritt auch bei dem neuen Bürgerlichen Gesetzbuche hervor,
und es ist meine Aufgabe, Ihnen heute ein durch das Bürgerliche Gesetzbuch ge-
schaffenes Rechtsgebilde vorzuführen, dessen sozialpolitische Bedeutung ohne weiteres
erhellt: die Entmündigung wegen Trunksucht.*)
I.
Lassen Sie mich zunächst einen Rückblick werfen auf die geschichtliche
Entwicklung der gesetzgeberischen Maßnahmen zur Bekämpfung der Trunksucht
in Deutschland überhaupt.
Wenn ich recht sehe, lassen sich drei Perioden unterscheiden.
Die erste Periode, welche von der Gründung des Norddeutschen Bundes bis
zum Jahre 1891 reicht, charakterisirt sich dadurch, daß sie' einen vollständigen Ver-
zicht auf systematische Bekämpfung der Trunksucht im Wege der Gesetzgebung
enthält. Man findet nur vereinzelte Ansätze. Alle diese halten sich auf dem Ge-
biete des öffentlichen Rechtes. Das ist im Wesentlichen der Zustand, welcher auch
gegenwärtig noch herrscht. Wir können Präventivmaßregeln uird Repressivmaß-
: regeln unterscheiden. ■ .
Was die Präventivmaßregeln anbetrifft, so kommt in erster Linie die Ge-
werbeordnung in Betracht.
Es ist Ihnen bekannt, meine Herren, daß der Betrieb der Gast- und
Schankwirthschaft, sowie der Kleinhandel mit Spiritus und Branntwein von einer
9 Vetgl. die Inauguraldissertation von Schneider „Ueber die Entmiindigung von
Älkoholisten" Berlin 1897. ;
Archiv für Bür^erl. Recht u. Prozeh. IX. 34

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