Volltext: Zeitschrift für deutsches Recht und deutsche Rechtswissenschaft (Bd. 20 (1861))

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E. Th. Gaupp.
aller dogmatischen Engherzigkeit, aller confessionellen Ausschließlich-
keit; nie war er schneidender und schärfer, als wo es galt, „Pfaffen-
thum und Pharisäerwirthschaft" zu geißeln; aber er rüttelte nie an
den großen ewigen Wahrheiten des Christenthums, in welchen auch
er das heiligste Kleinod der Menschheit verehrte. Nicht im Buch-
staben des Dogma, sondern in der Reinheit der Seele, in der
Untadelhaftigkeit des Wandels, in wohlwollender Nächstenliebe lag
sein Christenthum. So wird auch sein Andenken bei vielen guten
Menschen, die ihm als Freunde, Collegen und Schüler näher stan-
den, gesegnet fortleben, wie sein Name einen bleibenden und ehren-
vollen Platz in der germanistischen Literatur behaupten wird.
Hermann Schulze.

Zusatz der Redaction.
Wir find dem Herrn Verfasser sehr dankbar, daß er unsrem Wunsche
wegen eine« Nekrologs seine- Spezialkollegen entgegengekommen. In der
Schlefischen Zeitung stand zwar bald nach dem Tode des unermüdet strebsamen
Mannes eine eingehende Schilderung seines Lebens und seiner Wirksamkeit, von
einem dankbaren Schüler (Dr. Franklin) verfaßt; aber wir hielten es für Pflicht,
des Verstorbenen auch in dieser Zeitschrift, zu deren Mitarbeitern er gehörte,
in dankbarer Erinnerung zu gedenken. Wie derselbe Alles, was er ergriff, mit
besonderem Eifer erfaßte, so war er auch einer der Ersten, die fich unsrem Un-
ternehmen rasch durch die That anschloßen. Leider ist der begonnene Aufsatz
über die Gewere des deutschen Rechts (Bd. 1. S. 86—143) nicht zum Ab-
schluß gekommen. Es war auf eine kritische Untersuchung der Albrecht'schen
Theorie abgesehen, womit er in den wichtigsten Punkten nicht einverstanden
war; zugleich aber wollte er den Gegenstand rein aus fich selbst verarbeiten,
was wieder eine schwierige Aufgabe nach dem Vorgänge des jedenfalls sehr be-
deutenden Buchs von Albrecht war. Als sehr beschäftigter Lehrer und Mit-
glied eines preußischen Obergerichts, für das er jährlich etwa hundert Rela-
tionen in Civil- und Kriminalsachen der buntesten Art zu machen hatte, ge-
langte er überhaupt nicht zu eingehenden dogmatischen Arbeiten, wiewohl er
durch seine ausführliche Rezenfion des Eichhorn'schen deutschen Privatrechts (Allg.
Literatur-Zeitung, Januar 1831. Nr. 7—13) wie durch seine Vorlesungen und
seinen praktischen Beruf zeigte, daß es ihm nicht blos um die Befriedigung
einer gelehrten Liebhaberei, sondern um klare Crkenutniß auch des Rechtes
der Gegenwart zu thun war. Unter seinen historischen Schriften verdienen
noch genannt zu werden die Miscellen des deutschen Rechts (Breslau 1830),
die Abhandlung über das deutsche Recht in Schlesien (Bd. 3. dieser Zeitschrift).
Zritschr. f. deutsch. Recht, so. Bd. r. H. 8 * *

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