Full text: Zeitschrift für deutsches Recht und deutsche Rechtswissenschaft (Bd. 4 (1840))

Verhältniß des rationalen und nationalen Rechts. 107
rechtes der universellsten Entwickelung , der Potenzirung bis zu ab-
solut gütigen Prineipien fähig. Dasselbe gilt von der Denkfähig-
keit in Bezug aus Rechtsverhältnisse, — der juriftischen Denk-
lehre oder Logik. Die Rechtswissenschaft ist zum großen Theile
und gerade in ihren subtilsten und herrlichsten Materien, nichts An-
deres, als eine auf das Recht und rechtliche Verhältnisse ange-
wandte Logik; als solche ist sie nichts Anderes, als ein Inbegriff
allgemein und absolut giltiger Gesetze des Denkens, und mithin
universell und absolut giltig, weil ihr Gegenstand, das Denken,
selbst ein universeller ist. Die Begriffe vom Vertrag, die Be-
griffe der einzelnen Arten der Verträge, die Begriffe vom oousen-
sus, seiner Giltigkeit und seinen Mängeln, die Lehren von eulpa,
dolus, error, vis und metus, ebenso die Lehre von der Auslegung
der Verträge und Gesetze, von der rückwirkenden Kraft und der
Collision der Gesetze, vom Verhältniß der eorreetorischen Gesetze
zu den älteren, von der mora, Gewährleistung, Schadenersatz u. s.
w., kurz alle jene Lehren, welche man als allgemeine bezeichnet,
weil sie bei jedem Rechtötheile, bei jedem einzelnen Rechtsinstitute
einschlagen können, und die heut zu Tage in einem sogenannten
allgemeinen Theile den Lehrbüchern unseres Civilrechtes vorangestellt
zu werden pflegen,-— jedoch mit Ausnahme der Besitzlehre, insofern
man auch diese mitunter in den allgemeinen Theil zieht, — gehören
also zu dieser Classe von Materien, welche nicht nur einer Erhe-
bung auf absolute Prineipien fähig sind, sondern ohne diese gar
nicht gedacht werden können. Bei diesen Lehren drängt also gleich-
sam eine innere Nothwendigkeit zur Erforschung und Aufstellung ab-
solut giltiger Rechtsprincipien, — es ist die innere Natur des Ge-
genstandes, welche keine andere, als eine rein rationale Behand-
lung verträgt. Daher erklärt es sich auch, warum ein jedes histo-
risches Recht, sowie es diese Rechtölehren rational ausgebildet,
eben dadurch einen Anspruch auf universelle Giltigkeit in diesen
Materien erworben hat, und somit ist auch klar, wie das römische
Recht in diesen Lehren bei allen eivilisirten Nationen Anerkennung
als eine geschriebene Philosophie finden konnte und mußte, und
aus denselben Gründen ergibt sich auch, warum gerade in diesen
allgemeinen Lehren und im Vertragsrechte die Rechte aller eivilisir-
ten Völker (Einzelnheiten abgerechnet) die meiste und auffallendste
Uebereinstimmuug zeigen. Es ist dieser Classe von Rechtsmaterien

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