Full text: Zeitschrift für deutsches Recht und deutsche Rechtswissenschaft (Bd. 19 (1859))

482 Christian Friedrich Wurm.
und namentlich diplomatische Angelegenheiten aus den Jahren 185t
bis 1858 Zeuguiß. Nochmals trat er für die Rechte der Neutralen
zur See in die Schranke aus Anlaß des östlichen Krieges, in wel-
chem England das verbündete Frankreich zu seiner tyrannischen Praxis
herüberzuziehen suchte: er verfaßte eine Denkschrift an den englischen
Minister 1?ord I. Russell (1. März 1854), worin er nicht blos
die allgemein menschlichen Rücksichten, sondern auch und mehr noch die
Klugheitsgründe überzeugend darlegte, welche England bestimmen
sollten, der öffentlichen Meinung nachzugeben und selbst Frankreich
noch in Einräumungen zu Gunsten der Neutralen zu überbieten,
und er erlebte die Genugthuuug, daß bald darauf, in Folge der Da-
zwischenkunft des nordamerikauischen Gesandten Buchanan, die Rechte
der Neutralen im weitesten Sinne anerkannt wurden. Wurm selbst
war weit entfernt, diesen Erfolg sich beizulegen, aber Aegidi,
welcher in seinem Nachruf aus Franken (Allg. Zeitung 1859. Beil, zu
Nr. 44) auf die fast buchstäbliche Uebereinstimmung der einzelnen
von Wurm genau formulirten Sätze, zunächst mit dem englischen
Geheimerathsbefehl von 1854 aufmerksam macht, zweifelt nicht, daß
Wurms Arbeit von dem englischen Ministerium berücksichtigt und
zunächst seiner eigenen Entscheidung, welche nachher in den Pariser
Vertrag übergieng, zu Grund gelegt worden.
Im Juni 1858 reiste Wurm nochmals nach England, um
auf Einladung eines parlamentarischen Ausschusses als Zeuge über
die Frage von der Aufhebung des Stader Zolls Auskunft zu geben;
seine Aussage ist mit den andern gedruckt in dem Berichte der von
dem Unterhaus niedergesetzten Kommission, welchen Wurm selbst
noch einem Freunde mit der Bemerkung schickte, daß daraus viel-
leicht nicht zu lernen sei, wie man antworten, gewiß aber, wie man
nicht fragen müsse. Ueberarbeitet, halb erblindet kam Wurm aus
England zurück; die Sehkraft kehrte zwar wieder, aber die Ver-
dauungswerkzeuge litten Noth. Eine Erholung in Kiel im Sept.
1858 wirkte nur für kurze Zeit. Seine letzte, nicht mehr vollendete
Arbeit war das Osterprogramm des Gymnasiums. Noch war der
Geist munter wie immer, aber der Körper konnte keinen Schlaf,
keine Ruhe finden; daher die rasche Abnahme der Kräfte. Noch in
den letzten Tageck hoffte er Heilung in der Wasserheilanstalt zu
Reinbeck zu finden; er ward dort erquickt durch die ihn umgebende
Natur und sprach sich selbst verwundert darüber aus, wie man bei

Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer