Volltext: Zeitschrift für deutsches Recht und deutsche Rechtswissenschaft (Bd. 19 (1859))

14. Die Kurhessische Verfassungs-Angelegenheit

XII.
Die kurhefsischc Bcrfassungs - Angelegenheit *).

Von allen deutschen Volksstammen hat — wie die Geschichte
bezeugt — kein einziger so innig und trotz mancher Unbilden, welche
er zu erleiden hatte, so unwandelbar seinem angestammten Fürften-
hause seit dessen Bestehen angehangen, so bereitwillig für dasselbe,
und zwar ohne Aufforderung des Fürsten, aus eigenem Herzens-
drange Gut und Blut zum Opfer gebracht, als das hessische Volk
Gerade diesem deutschen Volksstamme ist das Geschick gefallen,
daß ihm durch einen „Rechtsspruch" der deutschen Bundesversamm-
lung die von seinen Landständen mit dem Landesfürsten vertrags-
mäßig im Jahre 1831 vereinbarte, über zwanzig Jahre in an-
erkannter Wirksamkeit bestandene Verfassung genommen, und eine
andere — von Hassenpflug und Genossen entworfene — Verfassung
aufoktroyirt ist, durch welche selbst die vor 1831 in der alten Landes-
verfassung bestandenen ständischen Befugnisse überhaupt beschränkt,

*) Dieser uns von achtbarer Seite zugekommene Aufsatz ist verfaßt vor
dem neuesten Anträge der Bundeskommission, welcher den ständischen
'Reklamationen gegen die oktroyirte Verfassung von 1852 theilweise Recht
geben soll. Nichts desto weniger möchte derselbe jetzt noch zeitgemäß,
ja um so zeitgemäßer sein, als durch die angeordnete Instruktions-
Einholung die Aufmerksamkeit der Regierungen wieder auf jene trau-
rige Angelegenheit hingelenkt und Gelegenheit gegeben ist, begangenes
Unrecht einigermaßen gut zu machen. Vgl. die Darstellung des Verfas-
sungsstreits in Kurhessen von F. Pfeiffer in dieser Zeitschrift Bd. Xlll.
Nr. 2. Anmerk, der Redaction.
1) Aus dem laufenden Jahrhundert wollen wir in dieser Hinsicht nur die
mehreren von diesem Volke zur Wiederherstellung der Herrschaft seines
alten Fürstenhauses gegen die französische Herrschaft unternommenen In-
surrektionen (in den Jahren 1806, 1807 und 1809) und das allgemeine
Herzudrängen zum Wehrdienst für den Befreiungskrieg 1813—1814 er-
wähnen.

Waiting...

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.

powered by Goobi viewer