Full text: Zeitschrift für deutsches Recht und deutsche Rechtswissenschaft (Bd. 19 (1859))

13. Ueber das Erforderniß der Lebensfähigkeit bei dem Thatbestande der Kindestödtung, mit Rücksicht auf die neueren Strafgesetzgebungen

XI.

Ueber das Erforderniß der Lebensfähigkeit bei dem That-
bestande der Kindestödtung, mit Rücksicht ans die neueren
Strafgesetzgebungen.
Bon
Geh. Justizrath Professor Dr. Abegg in Breslau.

Wenn bei Erklärung der neueren Strafgesetzgebungen auch
zum Zweck der Anwendung, und nicht blos im wissenschaftlichen
Interesse auf das ältere und gemeine Recht zurückgegangen wer-
den muß, so kann der Betrachtung nicht entgehen, daß diese ab-
stract allgemeine Bestimmung oder Vorschrift keineswegs ausreiche,
um überall ein befriedigendes Ergebniß herzustellen. Zunächst, um
einem möglichen Mißverständnisse zu begegnen, bemerke ich, daß
eine solche Bestimmung in keiner der neueren Gesetzgebungen ge-
funden wird, welche vielmehr für sich selbst und aus sich selbst zu
nehmen und zu erläutern sind, und als sog. erclusive das ältere
Recht — möge es nun gemeines oder diesem sich mehr anschlie-
ßendes, oder von demselben abweichendes Landes- oder Par-
tikularrecht gewesen seyn, auszuschließen bestrebt sind, was denn
auch meist noch ausdrücklich angeordnet ist '). Jene Regel wird
von der Wissenschaft allerdings zugleich mit praktischer Tendenz
aufgestellt, und in der Form eines Rath es ertheilt, oder einer
Warnung, dort zur Unterhaltung des anzuerkennenden inner«
Zusammenhangs bei einer organischen Fortentwicklung des Rechts,
welches in der neuesten Gestalt der Codification sein Dasein nicht
der Willkühr verdankt, sondern sich als das zeitgemäße Erzeugniß
jenes Bildungsprocesses erweisen soll; hier im gleichen Sinn um
die Nachtheile zu vermeiden, die das Verkennen jenes Zusammen-

I) Bgl. meine Schrift: die Berechtigung der deutschen Strafrechtswissenschaft
der Gegenwart. Braunschweig 1859. S. 41. 43.

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