Full text: Zeitschrift für deutsches Recht und deutsche Rechtswissenschaft (Bd. 19 (1859))

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Andr e *.

sind sehr oft Resultat einer irrigen wissenschaftlichen Auffassung und
enthalten keine Fortbildung oder Umbildung des Instituts selbst.
Man wird sich daher hier zunächst an das geschriebene römische
Recht halten müssen und Abweichungen nur in so weit statuiren
dürfen, als Praris und Gewohnheit wirklich die Bedeutung einer
Fortbildung oder Umbildung des römischen Rechts haben.
Allein dieselben Gründe, welche bei römischen Instituten dieses
Verfahren als das richtige und sichere darstellen, müssen bei Insti-
tuten, die nicht auf römischem Rechte beruhen, sondern
einen selbstständigen deutschrechtlichen Charakter ha-
ben, dazu führen, hier diese Institute auf ihre Quelle zu-
rückzuführen. Bezüglich der ohne Zweifel in diese Kategorie ge-
hörenden osnabrückschen Gütergemeinschaft wird daher die Aufgabe
sepn, zunächst aus den darüber vorhandenen Quellen und Zeugnissen
den wesentlichen Charakter des Instituts im Zusammen-
hänge festzustellen und in Uebereinstimmung mit diesen Grundlagen
dasselbe nach allen Beziehungen möglichst consequent durchzuführen.
Wenn dagegen der einzelne Satz des Gütergemeinschaftsrechts
in möglichster Specialisirung für den einzelnen Fall
dem römischen Rechte als der Regel gegenüber gestellt wird, so ist
damit der Charakter des Gütergemeinschaftsrechts als eines in sich
zusammenhängenden Instituts aufgehoben und es ist rein zufäl-
lig, daß einzelne Rechtssätze gegenüber dem römischen Rechte
dennoch aufrecht erhalten bleiben. In der speciellen Frage, die den
Gegenstand des vorhin mitgetheilten Processes bildet, war demnach
die Bedeutung der Abschichtung vom Standpunkte des osna-
brückschen Gütergemeinschaftsrechts zu untersuchen und so,
wie in dem Erkenntnisse des Tribunals geschehen, zu ermitteln,
welchen Zweck und Bedeutung diese Abschichtung hat, wobei sich
die Sache freilich sehr einfach erledigt, weil es auf der Hand liegt,
daß die Abschichtung den Kindern ihren kindlichen Antheil zu ver-
schaffen, d. h. das Notherben- und Pflichttheilsrecht zu ersetzen be-
stimmt ist. Nur in der Weise, wie das Oberappellationsgericht die
Sache behandelt hat, ist eine selbstständige Entwicklung des deutschen
Instituts, eine organische Verbindung des römischen und deutschen
RechtS denkbar. Die Behandlung deS Obergerichts gibt zwar auch
ein Resultat, aber nur ein formelles, bei dem es Zufall ist, wenn
im einzelnen Falle das Wesen des deutschrechtlichen Instituts er-

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