Full text: Zeitschrift für deutsches Recht und deutsche Rechtswissenschaft (Bd. 6 (1841))

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La spcyrc s:

Wendung es auch in der Wirklichkeit damals noch gefunden haben
mag. Mehr als die Urkunden, auf welche man vorzugsweise sich
stützt3), kann die Glosse zum Sachsenspiegel dafür zum Beweise
dienen. Dort mag die Erwähnung einzelner Einreden des Römi-
schen R chts oder die wörtliche Aufnahme von Stellen der Institutio-
nen, Pandecten u. s. w. häufig nur in der Eitelkeit der concipiren-
den Notare ihren Grund haben, welche ihre academische B^dung
zur Schau trugen, wenn sie nicht etwa gar dabei blindlings den
ihnen vorliegenden Musterformularen folgten. Daß hingegen die Ur-
heber der Glosse, bekanntlich zum größeren Tu eile der Märkischen
Ritterschaft angehörig, nur aus gelehrter Vorliebe für da^ Römische
Recht, und trotz dem, daß es nur erst dem Namen nach in ibrem
Geburtslande als Kaiserrecht galt, den Versuch gemacht haben soll-
ten, den Sachsenspiegel daraus zu erklären und zu ergänzen, darf
von vorn herein bezweifelt werden; ^as Ansehen, zu welchem die
Glosse binnen Kurzem gelangte, zeigt zur Genüge, daß auch in dw-
sen Gegenden Deutschlands die Gerichte die practische Anwendbarkeit
der fremden Rechte damals bereits anerkannten.
Irrig ist es daher jedenfalls, wenn man in der Kammer-Ge-
richts-Ordnung des Kurf. Joachim I. vom Jahr 1516 4), welche
allerdings die Gültigkeit und Gesetzeskraft des Römischen Rechts aus-
spricht, eine förmliche Reception hat finden wollen, und dieselbe da-
hin zu erklären geneigt ist, daß hierdurch, und zwar erst damals,
das Römische Recht gesetzlich eingesührt worden sei5), So wenig

3) Vgl. v. Raunw.'s Abh. über die Einführung des röm. Rechts in
der Chnrmark Brandenburg in: v. Ledebnr's allgem. Archiv für
die Geschichtsknnde des Preuß. Staats. Bd. 5. S. 312.
i) Vgl. C. Scholl;, das jetzt bestehende Provinzialrecht der Knrmark
Brandenburg. Berl. 1834. Abh.tl Thl. 1. S. 12 flg., u. A. W.
Götze, das Provinzial-Recht der Altmark nach seinem Standpunkte
im Jahr 1831. Magdeb. 1856. Thl. 1. S. 6 flg.
5) lieber die in vielen Punkten sehr ungewisse Geschichte dieser K.G.O.
vgl. den Aufsatz „Stiftung des Eammergerichts" in Simon's und
v. Strampff's Zeitschr. für wissensch. Bearb. des preuß. Rechts.
Thl. I. Nr. XIII. S. 174 flg. — Der Zweifel, ob dieselbe dem
Jahre 1516 oder 1526 angehört, dürfte sich dadurch erledigen, daß
sie nach den Schlußworten der „Reformation des C.G. zu Cöln"
v. I. 1540 schon früher einer Revision unterworfen worden ist.

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