Full text: Zeitschrift für deutsches Recht und deutsche Rechtswissenschaft (Bd. 6 (1841))

Preußische Gesetzgebung vor Friedrich II. 3
gen des 17. Jahrhunderts sich anschlossen, ihrer ganzen Richtung
nach durch den Nechtszustand bedingt seien, welcher seit der Re-
ception des Römischen Rechts in den Brandenburgischen Gebieten
sich gebildet hatte. In neuester Zeit hat nun zwar das lebhaftere,
von der Regierung theils geweckte, theils geförderte Interesse für
Provincialgeschichte und Provincialrecht Preußens auch nach dieser
Seite hin zu eben so erfreulichen als lehrreichen Untersuchungen ge-
führt. Allein theils sind sie bis jetzt so wenig zu anerkanntem Ab-
schlüsse gediehen, daß selbst über die Hauptfrage, über die Stel-
lung nemlich, welche das einheimische Deutsche Recht zu dem Römi-
schen behauptet habe, noch der entschiedenste Zwiespalt der Ansicht
obwaltet; theils scheinen auch jene Forschungen keineswegs in dem
Maaße ein Gemeingut der deutschen Rechtswissenschaft geworden zu
sein, als sie es ihrem inneren Werthe nach und um der Wichtigkeit
willen verdienen, welche den früheren Rechtszuständen Preußens für
die Geschichte, seiner geltenden Gesetzgebung für die Theorie des
gemeinen deutschen Rechts beigelegt werden darf. Hoffentlich wird
daher der nachfolgende Versuch, jene Untersuchungen sowohl ihren
Ergebnissen nach in prüfender Zusammenstellung darzulegcn, als zu
ergänzen und bis auf die Zeit der Fridericiamschen Legislation fort-
zuführen, weder außerhalb der Grenzen des Vaterlandes freundlicher
Aufnahme entbehren, noch dem Plane dieser Zeitschrift fremd erscheinen.

§. 1.
In der Mark Brandenburg und den damit verbundenen Lan-
den, bis ins siebzehnte Jahrhundert dem einzigen Besitzthume des
Hohenzollernffchen Fürstenhauses im nördlichen Deutschland 2), war
neben den Sächsischen Rechtsbüchern, dem Statutarrecht der Städte
und dem Landes- und Orts-Herkommen, bereits im 14. Jahrhundert
das Römische Recht nicht etwa bloß bekannt, sondern galt unzweifel-
haft schon als practisch anwendbare Rechtsquelle, wie geringe An-
2) Die immer lockere Verbindung Preußens mit dem deutschen Reiche
war durch dessen Umwandelung in ein weltliches Herzogthum und
Lehn der Krone Polen seit dem Jahre 1525 ganz anfgeloset; die-
ses Besitzthum der fränkischen Nebenlinie der Hohenzollern kommt
daher nicht in Betracht.

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