Full text: Zeitschrift für deutsches Recht und deutsche Rechtswissenschaft (Bd. 6 (1841))

21

Preußische Gesetzgebung vor Friedrich II.
ob das formell abgeschaffte Recht nach innerer Notwendigkeit bei-
bchalten werden müsse, oder das neu eingeführte Recht angewandt
werden könne, oder ob sich ein drittes ganz neues bilden oder als
bereits gebildet anerkannt werden müsse; unter überwiegendem Ein-
flüsse der Observanz auf Rechtsbildung sei solchergestalt in der Mark
eine sehr ausgedehnte und lebendige Entwickelung eines neuen Rechts
der Provinz eingetreten.
Gegen diese Argumentation, welche wir mit möglichstem An-
schlüsse an die eigenen Worte jener Schriftsteller in der Kürze dar-
zulegen für dienlich erachteten, dürfte sich von ihrem Standpunkte
aus etwas Erhebliches kaum einwenden lassen. Geht man einmal
von der Voraussetzung aus, daß in der Mark, und zwar durch aus-
drückliche Gesetzgebung, nicht blos nach der herrschenden Ansicht der
Theoretiker und gelehrten Praktiker, an die Stelle aller bisherigen
Rechtsquellen, der gemeinen, wie partikulären und localen, das Rö-
mische Recht getreten sei, so wird sich das unzweifelhafte Faktum,
daß die Provinz gleichwohl ihr eigenthümliches Recht gehabt und
behalten hat, schwerlich auf andere Weise erklären lassen, zumal in
früherer Zeit die Landesgesetzgebung, wie thätig immer, nicht in glei-
chem Maße, als später von den historisch gegebenen Zuständen, von
den herrschenden Ansichten des Volkes und von den ün Leben sich
kund gebenden Bedürfnissen abftrahiren zu können geglaubt hat.
Aber immer doch nur als Nothbehelf zur Erklärung des anscheinend
zwischen Gesetz und Recht obwaltenden Widerspruchs wird jene Ar-
gumentation dienen können, nicht zur Unterstützung, und noch weni-
ger zum Beweise der Ansicht, daß das Römische Recht bei seiner
Reception zu ausschließlicher Geltung bestimmt gewesen, und nun
erst hinterher auf blos subsidiäre Anwendung beschränkt worden sei.
Ein Rückschluß auf die Bedeutung, welche man anfangs dem Römi-
schen Recht zugedacht habe, wäre höchstens gerechtfertigt, wenn für
die Eigenthümlichkeiten des späteren ProvinzialrechtS wirklich überall
ein solcher Zusammenhang mit Verfassung und Einrichtung des Lan-
des, mit einmal bestehenden Lebenszuständen, und den in früherer
Zeit begründeten Rechtsverhältnissen nachweislich wäre, so daß Hint-
ansetzung der gesetzlichen Vorschrift und Zurückgehen auf die dadurch
derogirten älteren Quellen sich als innere, unvermeidliche Nothwen-
digkeit darstellte. Und selbst dann läge, je weniger in den Gesetzen
die Reception des Röinischen.Rechts als eine derogatorische sich dar-

Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer