Full text: Zeitschrift für deutsches Recht und deutsche Rechtswissenschaft (Bd. 6 (1841))

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Preußische Gesetzgebung vor Friedrich H.
für die von ihm vertretene Ansicht fortdauernder Geltung des ein-
heimischen und hergebrachten Rechts darauf besonderes Gewicht,
daß, wie oben bemerkt worden, der Brandenburger Schöppenstuhl,
und zwar noch nach Publikation der Constitutio Carolina, Herkom-
men und Gebrauch selbst in Crimiuälsachen als Norm behandelt hat,
daß auch hier wieder nur Erbstreitigkeiten vorzugsweise als diejeni-
gen bürgerlichen Rechtssachen hervorgehoben werden, in welchen
nach Kaiserrecht zu erkennen sei.
8. 5.
Darf nun hier für völlig ungenügend erachtet werden, was
man zum direkten Beweise jener Behauptung geltend gemacht hat,
daß in der Mark das Römische Recht nicht etwa bloo, wie in ande-
ren Territorien, die Rechtsbücher des Mittelalters, d. h. die Quel-
len des bisherigen gemeinen Rechts, verdrängt habe, sondern mit
allgemeiner Beseitigung der hergebrachten Nechtsgewohnheiten als
ausschließliche Rechtsnorm recipirt worden sei, so steht dieser An-
sicht in noch viel höherem Grade das Zeugniß der ganzen Folge-
zeit entgegen. Denn bis auf den heutigen Tag herab, wenn schon
in nach und nach sich verminderndem Umfange und in allmählig
geschwächter Bedeutung, hat sich auch hier ein eigenthümliches Pro-
vinzialrecht neben dem gemeinen Rechte, noch mehr eine Verschie-
denheit des localen Statutarrechts erhalten; und wie letzteres we-
sentlich auf altem Herkommen und Gerichtsgebrauch beruhte, so ist,
bei aller Thätigkeit der Landesgesetzgebung, auch das provinzielle
Recht nur zu einem kleinen Tbeile auf legislative Quellen zurück-
zuführen.
Verkannt haben dieß die Vertheidiger unbedingter Rechtskraft
des Römischen Rechts keineswegs; wohl aber sind sie gemeint, und
von ihrem Standpunkt aus in der That auch genöthigt, in diesen
provinziellen und localen Eigenthümlichkeiten des Rechts nicht sowohl
eine natürliche Fortdauer früherer Zustände zu finden, vielmehr die-
selben als neue Rechtsbildungen aufzufassen oder daraus zu erklären,
daß einestheils die ursprüngliche Intention sich nicht vollständig habe
durchführen lassen, andererseits der Ursprung vieler Rechrsverhält-
nisse noch in die Zeit vor jener Reception des Römischen Rechts fiele,
und bei mangelnder rückwirkender Kraft der damit gewonnenen neuen
Normen die Festhaltung der früheren Rechtsregeln unvermeidlich
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