Full text: Sächsisches Archiv für bürgerliches Recht und Prozeß (Bd. 6 (1896))

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Kauf, Rücktritt,. Verzug.
AuS diesem gegen Sicherheit vorläufig vollstreckbaren Urtheil ist nach dem
hierzu von den Parteien in zweiter Instanz erklärten Einverständniß am 20. März
1896 die Hülfe vollstreckt worden. Dabei wurde das Gewicht des Bullens auf
19 Centner 91 Pfund festgestellt. Der Beklagte hat in Folge der Zwangsvoll-
streckung 756 Mk. 58 Pfg. als Kaufpreis, 16 Mk. 38 Psg. an Verzugszinsen,
2 Mk. 40 Pfg. an Verlag für eine Urtheilsabschrift und 11 Mk. 5 Pfg. dem
Kläger erwachsene Anwaltskosten, insgesammt 786 Mk. 41 Pfg. an den Kläger,
außerdem noch 6 Mk. gerichtliche Kosten der Zwangsvollstreckung bezahlt, sodaß
im Ganzen 792 Mk. 41 Pfg. von ihm eingehoben worden sind.
Er fordert mit der Berufung die Abweisung der gegen ihn erkannten Klag-
forderung und die Verurtheilung des Klägers zur Erstattung des von ihm auf
Grund des vorigen Urtheils Geleisteten.
Einverstanden sind die Parteien darin, daß nach dem Vertrage die Fest-
stellung des Gewichtes des Bullens durch Abwiegen in Gegenwart und unter
Mitwirkung des Klägers gemeinschaftlich erfolgen sollte. Weil es sich um Fest-
stellung des lebenden Gewichtes von Schlachtvieh handelte, so hatte nach der Be-
hauptung des Klägers, der sich hierfür auf eine allgemein bestehende Uebung und
auf das Gutachten Sachverständiger berufen hat, die Abwiegung des Bullens vor
dessen Fütterung stattzufinden. Das hat jedoch der Beklagte bestritten und, gleich-
falls unter Berufung auf sachverständiges Gutachten, behauptet, daß im Mangel
einer Vereinbarung über Tag und Stunde der Abholung ihm die Wahl der Zeit
völlig freigestanden habe, zu welcher er sich im Gute des Klägers zur Feststellung
des Gewichts des Bullens und zu seiner Abholung einfinden wollte. Ob zur
Zeit seines Eintreffens im Gehöft des Klägers, seiner Behauptung nach am
8. Oktober 1895, der Bullen bereits gefüttert gewesen sei, wisse er nicht. Es
sei ihm darüber nichts gesagt worden. Er habe vor der Fütterung dort sein
wollen und würde die Zeit nach der Fütterung wissentlich nicht zur Gewichtsfest-
stellung und Abholung des Bullens gewählt haben, wenn er auch durch den Ver-
trag nicht daran gehindert gewesen wäre.
Zur Begründung der Berufung hat der Beklagte geltend gemacht, daß in
dem Kaufverträge irgend eine Vereinbarung über den Tag oder die Frist der
Abholung des Bullens nicht getroffen sei. Der Kläger habe ihn am 4. Oktober
1895 auffordern lassen, baldigst zu ihm herauszukommcn, um den Bullen abzu-
nehmen und zu wiegen, ohne eine bestimmte Stunde hierfür anzugeben. Hierauf
will Beklagter am 8. Oktober 1895 sich in das Gut des Klägers begeben, dort
aber den Kläger persönlich nicht angetroffen haben; der auf dem Felde befindliche
Kläger habe einem nach ihm ausgeschickten Boten gegenüber es abgelehnt, in den
Hof zu kommen. Hierdurch soll nach der Behauptung des Beklagten der Kläger-
in Verzug versetzt worden sein; Beklagter hält sich daher für berechtigt, vom
Kaufe zurückzutreten; eine Nachfrist sei dem Kläger nicht zu gewähren gewesen,
weil die Natur des Geschäfts eine solche nicht zugelassen habe. Uebrigens würde

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