Full text: Zeitschrift für deutsches Recht und deutsche Rechtswissenschaft (Bd. 2 (1839))

Die Lehre von dem Spiel u. s. w. 139
sehr vereinfacht wird, denn eine erforderte Fertigkeit oder Geschick-
lichkeit hält den Ausgang auf und macht diese Spiele weniger für
Jeden geeignet, der, worauf es hier ja allein eigentlich ankömmt, die
Einsätze wagen kann und will. Doch ist es nicht nothwendig, daß
das Gewinnspiel in der bezeichnten Art eingerichtet ist, die Fertig-
keit und Geschicklichkeit darauf keinen oder nur einen sehr unterge-
ordneten Einfluß hat, und Glück oder Zufall ausschließlich oder doch
am meisten entscheidet. Jedes ursprünglich nicht darauf berechnete
Spiel kann zum Gewinnspiel werden, wenn es in einer solchen
Weise betrieben wird, daß alle übrigen Interessen dabei zurückge-
drängt werden, ein bedeutender Glückwechsel oder Umsatz von be-
trächtlichen Summen unter den Spielern möglich wird. Es kann
dieses aber besonders auch dadurch geschehen, daß die Einfachheit
des Spieles, die Schnelligkeit der Entscheidung möglichst durch
die Höhe des Satzes ersetzt wird. Es gibt mithin Spiele, die schon
ihrer Einrichtung nach darauf berechnet sind, um als Gewinnspiele
gebraucht zu werden, bei deren Ausübung die Vermuthung in der
Regel sehr nahe liegt, daß sie in gewinnsüchtiger Absicht geschehen
ist, während bei den übrigen dieses erst durch das Hinzntreten be-
sonderer Umstände geschieht. Das Spielen in gewinnsüchtiger Ab-
sicht ist es, was bei den Römern sowohl als den Deutschen eine be-
sondere Gesetzgebung über diesen Gegenstand hervorgerufen hat, und
begreiflich sind es die eigentlichen Gewinn- und Wagespiele, die da-
bei vorzugsweise in Betracht kommen; aber es hat die Gesetzgebung
auch wohl, um möglichem Mißbrauch vorzubeugen, alle Spiele um
Geld, selbst wenn aus der Natur oder dem Gebrauch derselben
nicht hervorgeht, daß der zu machende Gewinn das dabei Borwal-
tende ist, in ihren Kreis gezogen. So verschieden auch der Inhalt
der das Spiel betreffenden Gesetzgebungen ist, so geht die Tendenz
doch inuner dahin, demselben gewisse engere Schranken zu setzen.
Der Grund solcher Beschränkung ist aber nicht, daß das Spiel an
sich, auch wenn um Geld gespielt wird, als etwas Unsittliches an-
gesehen wird. Nur in Beziehung aus die Geistlichen würde sich be-
haupten lassen, daß das Spielen als eine ihnen unziemliche und
nicht erlaubte Beschäftigung angesehen worden ist*); es haben die
ältern Schriftsteller über das Spiel sich daher auch viel mit der

') S. auch Novella 123. c. 10.

Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer