Full text: Zeitschrift für deutsches Recht und deutsche Rechtswissenschaft (Bd. 2 (1839))

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Dr. Duncker:

und in der Verweigerung der Zinsen ein Spolium zu erblicken \).
Selbst noch Hommel1 2) erklärt geradezu, er sehe nicht ein, warum
nicht ein Arzt, den man zu brauchen aufhöre, im jüngsten Besitz ge-
schützt werden müsse; ich sichle wohl, fügt Hommel hinzu, daß
dem Arzt eine solche Klage nicht zusteht, aber ich kann, selbst wenn
man mir mit dem Tode droht, einen Grund dafür nicht angeben.
So war man durch leere Abstraetionen dahin gekommen, bei der
Ausübung eines jeden Rechtes einen durch den Richter zu schützen-
den Quasibesitz anzunehmen 3 4 5 6), also auch bei rein obligatorischen
Rechten H, und allen möglichen Familien-s) und Standesverhält-
nissen 6). Fragt man nun aber, in welchen Verhältnissen denn ein
Quasibesitz nicht Statt sinde, so erhält man darauf die Antwort,
in denjenigen, wo durch die Ausübung des Rechts eine sündhafte
Handlung begangen werde, daher werde z. B. der Quasibesitz einer
Concubine nicht geschützt7).
Vor solchen Verirrungen sichert uns freilich die heutige Theorie
des Besitzes; es findet jedoch namentlich darüber, in welchen dem
deutschen Recht eigenthümlichen Verhältnissen ein Quasibesitz anzu-
nehmen, wie derselbe erworben und verloren werde, und durch
welche Rechtsmittel derselbe zu schützen sei, eine große Meinungs-
verschiedenheit Statt. Wenn daher schon aus diesem Grunde eine
neue Prüfung dieser Lehre nicht überflüssig sein dürfte, so liegt gerade
jetzt eine besondere Aufforderung dazu in dem Umstande, daß der

1) Gratiani discept. for. c. Bll. n. 17 seqq. Mcvius, p. 2. d. 298.
n. 1. Fleck, comm. binae de interd. unde vi et remed. spol. p. 98 seqq.
2) liliap. obs. 489.
3) Ja, Martini (de jure censuum s. annuor, redit, c. 8. n. 118 sqq.)
geht so weit, die Frage, ob der Rentenverkäufer das Recht, die verkaufte
Rente wieder einzulösen, durch Verjährung verlieren könne, aus dem
Grunde zu verneinen, weil derselbe im Besitze des Wiedereinlösungs-
rechts sei!
4) Gratian. 1. c. n. 13. Poslii tract. mandati de manutenendo obs.
10. n. 62.
5) Z. B. Besitz sowohl der Verwandtschaft und Schwägcrschast überhaupt,
als eines bestimmten Grades derselben, der Legitimität u. s. w. (Postius,
l. e. n. 60.)
6) Eine Spur davon findet sich schon in der gl. ad L. 7. C. de fide instr.
(4. 21.) verb. Si aliis.
7) Postius, 1. e. n. 91. Menochius, de retin. poss. remed. 3. n. 155.

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