Full text: Zeitschrift für deutsches Recht und deutsche Rechtswissenschaft (Bd. 2 (1839))

Die Versorgung der Wittwen und Kinder u. s. w. 9

Titel, Ehren und Würden nicht beilegen, vielweniger dieselben zum
Nachtheil der wahren Erbfolger und ohne deren besondere Einwilli-
gung für ebenbürtig erklären solle, bei Strafe der Nichtigkeit; was
seit 1700 auch noch auf die gleich Anfangs morganatisch eingegan-
genen Ehen ausgedehnt ward.
Damit war zwar nicht entschieden, was notorische Mißheira-
then seien; aber wenn die Stelle irgend einen Sinn haben sollte, so
war jedenfalls damit auf das Herkommen verwiesen, d. h. sowohl
auf das allgemeine, wie auf das besondere eines jeden fürstlichen
Hauses i). Jenes aber stellte sich wenigstens dahin fest, daß die
eheliche Verbindung eines deutschen Reichsstandes mit einer Bür-
gerlichen eine Mißheirath sei, selbst wenn eine kaiserliche Standes-
erhöhung zum Zweck der Ehe erfolgte, so lange nicht die Agnaten
darin eonsentirten 1 2).
Durchblickt man nun die Familien- und Hausgesetze der vorge-
dachten neuern Zeit, welche Etwas über die rechtlichen Ansprüche
der standesungleichen Gemahlin und Deseendenz enthalten, so gibt
es einige, welche nur ein Recht auf Abfindung und Alimente, an-
dere, welche eine modifieirte Sueression, wenigstens nach Abgang
des ebenbürtigen Stammes anerkennen, und noch andere, welche
die Mißheirath an dem ebenbürtigen Familiengliede selbst schon mit
Verlust des Erbrechts strafen, eine Bestimmung, deren Zulässigkeit
in neuerer Zeit bezweifelt wurde, die sich aber doch in einem Wür-
tembergischen Brüdervergleich von 14893 4), in dem Testament des
Grafen Johann von Nassau aus dem Jahre 1597 H, ferner in
dem gräflich Leiningenschen Hausvertrage von 16145) und in dem
Waldeckschen Hausgesetze von 16876) vorfindet.
In dem gräflich Königseckschen Stammvertrage von 1588
ward dagegen festgesetzt: daß, wofern Einer des Stammes und Nam-
mens sich ohne der Andern Wissen und Willen standeswidrig ver«

1) Vergl. Eichhorn, über die Ehe Sr. könkgl. Hoh. des Herzogs von
Suffex (Bert. 1835) S. 134. Des Vers. Beitr. I. S.21 folg.
2) Ebendas. S. 26 folg.
3) Moser Fam. St.-R. II. 67.
4) Ebendas. 97.
5) Ebendas. 107.
6) Moser St.-R. XIII. 365, 174, 378.

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