Full text: Sächsisches Archiv für bürgerliches Recht und Prozeß (Bd. 4 (1894))

11. Abhandlungen

11.1. Johannes Emil Kuntze [gestorben]

Abhandlungen.
Johannes Emil Kuntze. f
Von Professor Dr. Degenkolb.
Der Mann, dessen Andenken die nachstehenden Zeilen gewidmet sind, beschloß
am 11. Februar 1894 ein nicht an wechselvollen Geschicken, aber an Arbeit reiches
Leben. Johannes Emil Kuntze ist am 25. November 1824 zu Grimma geboren
als Sohn des Direktors der dortigen Mädchenschule Johann Gottlieb Kuntze und
seiner Ehefrau Emilie, geborne Fechner. Früh starb ihm der Vater und bald
darauf (1834) nahm ihn sein mütterlicher Oheim Gustav Theodor Fechner
in sein vor Jahresfrist mit Clara geb. Volkmann begründetes Haus. In diesem
Hause, unter treuer Obhut seiner Pstegeeltern und unter den Augen seiner Mutter
wuchs er auf und hat er ununterbrochen dreißig Jahre gelebt. Sein Vater war
von Haus aus Theolog, seine Mutter war eine Pfarrerstochter, er selbst schien
ursprünglich für die Theologie bestimmt. Doch gleich seinen Brüdern wandte er
sich (1843) der Rechtswissenschaft zu. Von seinen juristischen Lehrern nennt er
in der Widmung seiner ersten größeren Schrift Marezoll und Albrech t. Diesem
letzteren und neben ihm v. d. Pfordten schreibt er in einer autobiographischen
Skizze den hervorragendsten Einfluß auf seine Studien zu. Nach Abschluß der
Universitätsjahre arbeitete er von 1847—1851 in der Praxis, ward 1851 Notar
und Advokat und promovirte sodann (23. Oktober 1851), um sich wenig Tage
darauf zu habilitiren (25. Oktober 1851), beides in Leipzig. Am 22. März 1856
ward er zum außerordentlichen, am 4. August 1869 zum ordentlichen Professor
in der juristischen Fakultät ernannt. Als solcher hat er nahezu 25 Jahre gewirkt.
Seit 1871 war er Vorsitzender des sächsischen literarischen Sachvcrständigen-Vereins.
Den geistig und körperlich jugendfrisch gebliebenen Mann raffte kurze Krankheit
an dem oben bezeichneten Tage dahin. Das wissenschaftliche Charakterbild des
Dahingeschiedenen gehört in diese Zeitschrift. Völlig zutreffend könnte es nur ent-
werfen, wer in längerer persönlicher Bekanntschaft dem Verstorbnen nahe stand,
denn bei ihm mehr noch als bei vielen Andern Hilst erst der Mensch den Schrift-
steller ganz verstehen. Meine Bekanntschaft war leider von nur zu kurzer Dauer.
Und hiervon abgesehen ist Kuntze ein für Jedermann schwer zu beurtheilender
Schriftsteller. Seiner Gesamtwürdigung tritt schon die Menge und vor Allem
die Mannigfaltigkeit seiner Schriften erschwerend in den Weg. Nachstehend eine
Archiv für Bürgerl. Recht und Prozetz. IV. 17

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