Full text: Zeitschrift für deutsches Recht und deutsche Rechtswissenschaft (Bd. 14 (1853))

25

Bemerkungen zum Sachsenspiegel.
insoweit nicht gesetzliche oder ausdrücklich bedungene Ausnahmen, bei
einzelnen bestimmten Sachen, zu Gunsten der Frau eintreten, dem
Manne schon bei Lebzeiten der Frau als Miteigenthümer und zur
freien Verfügung. Ja sogar jene Ausnahmen sind nur auf den
Fall berechnet, wenn die Frau die Ueberlebende ist. Denn wenn
sie vor dem Manne verstirbt, vererbt sie gar nichts an ihre Erben
als die Niftelgerade, und nur für den Wittwenstand der überle-
benden'Frau ist dadurch hier gesorgt, daß ihr theils von rechtswe-
gen die Gerade und der Mußtheil zugewiesen sind, theils aber auch
noch überdieß eine Morgengabe und Leibzucht besonders bedungen
werden kann; ans einer Gemeinschaft hat sie hier nirgends Etwas
zu fordern.
Daß nun aber zu einer allgemeinen Gütergemeinschaft, die das
gesammte Vermögen beider Ehegatten umfaßt, welches hier dem
überlebenden verbleibt, weder Gerade und Mußtheil, noch Morgen-
gaben und Leibgedinge passen, versteht sich von selbst, weil eben
das Ganze hier eine einzige Masse ist, in der solche Unterschiede
alle Bedeutung verlieren würden. Aber auch mit einer blosen Par-
ticulargemeinschaft steht eine Succession in Gerade, Mußtheil rc.
nicht recht im Einklänge, weil immerhin auch hier, durch einen An-
theil an der Gesammtmasse der Erbschaft, nicht minder für die über-
lebende Frau, wie für den Mann bereits gesorgt ist, und man hier-
bei weniger Veranlassung finden konnte, Ersterer noch überdieß eine
Reihe von besonder» Erbschaftsgütern zuzuweisen. Selbst das Leib-
gedinge läßt sich nur da hiermit vereinigen, wo die Gemeinschaft
lediglich auf das Mobiliarvermögen beschränkt ist, und erst bei
einer blosen Errungenschaftsgemeinschaft wird es, zur besseren Für-
sorge für die Wittwe, als geeignet erscheinen, dieser auch aus dem
freien Vermögen des Mannes überdieß noch eine Gerade gesetzlich
zuzuweisen, oder eine Morgengabe zu bestellen.
Unter diesen Umständen würde mithin das System des Sachsen-
spiegels, gegenüber von dem der Gütergemeinschaft, hauptsächlich
in der Gerade und Morgengabe sein charakteristisches Kennzeichen
haben. Denn beim Mußtheile tritt allerdings auch im Sachsen-
spiegel, wenigstens wenn die Frau die überlebende ist, eine Art
beschränkter Errungenschafts-Gemeinschaftein; eine beschränkte näm-
lich insofern, als sie lediglich auf Victualien-Vorräthe sich erstreckt.
Mit dem Systeme der Gütergemeinschaft wird sich dagegen eine

Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer