Full text: Zeitschrift für deutsches Recht und deutsche Rechtswissenschaft (Bd. 14 (1853))

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S a chß e:
durch seine Arbeit, selbst während er noch im väterlichen Haufe war,
und sogar von seinen eigenen Eltern verdient hatte, nicht einzu-
wersen brauchte; dies entspricht vollkommen den Ansichten, die das
deutsche Recht auch sonst über Arbeit und Lohn aufsteüt, z. B. in
dem Grundsätze: wer säet, der mähet. Auch steht eS hiermit keines-
wegs im Widerspruche, wenn es im Sachsensp. I. 12. heißt: Swar
brudere oder andere lüde ir gut tosamene hebbet, verböget
80 dat mit irer kost oder mit irme dendste, de vrome is aller
gemene; dat selve is de seade. Denn hier ist V0N einem
wirklichen Societätsverhältnisse die Rede, wobei es in der Natur
der Sache liegt, daß aller Vortheil und insbesondere allerdings
auch der Erwerb durch Arbeit, sowie der Nachtheil gemeinschaft-
lich getragen werden, insofern Ersterer wirklich aus dem Socie-
tätsverhältnisse erwachsen, und Letzterer nicht durch die Schuld ei-
nes einzelnen Gesellschafters herbeigeführt ist. Darum werden ei-
nerseits den Brüdern auch andere Leute hier gleichgestellt, die
ohne Vertrag in gar keinem Verhältnisse mit einander stehen wür-
den; weil eben das Vertrags-Verhältniß hier wirklich ganz allein
entschied: anderseits wird noch hinzugefügt: Svat aver en man mit
sime wive nimt, des ne delt he mit sinem brudere nicht (denn
dieser Erwerb entsprang allerdings gar nicht aus der Societät,
und nur diese ist hier in Frage). Verspelt aver en man sin gut,
oder verhuret het, oder vergüftet het mit gift oder mit kost (d. h.
bringt er es mit liederlichen Frauenzimmern durch, oder vergeudet
er es durch Verschenken oder Aufwand) dar sine brüdere, oder de
ire gut mit ime gemene hebbet nicht to geplicht ne hebbet; de
scftde, den he daran nimt, sal sin enes sin, unde nicht siner
brtt-dere, noch siner geverden, de ir gut mit eine gemene heb-
bet. (Denn auch der Verlust, der ihn hier trifft, hat mü der
Societät nichts zu schaffen.)
Ebensowenig ist es aber auch eine wahre Ausnahme von der
Regel, daß Alles, was Kinder von ihren Eltern erhalten hatten,
bei der Erbtheilung eingebracht werden müsse, wenn in dem bereits
angeführten Artikel 13. 8. 1. nach den Worten: se muten in de
dele bringen mit irme ede al dat gut, dar se mede afgesundert
w$ren, noch hinzugefügt wird: of it is varende gut, sunder
rade. — Den» diese Bestimmung harmonirt vollkommen mit einer
vorausgehenden in I. 5. 8. 2: De dochter, de in me huse is um-

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