Full text: Zeitschrift für deutsches Recht und deutsche Rechtswissenschaft (Bd. 14 (1853))

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S a H ß e:
Unter Voraussetzung einer solchen gültigen Schenkung werden
nun aber in dem folgenden Satze zwei Fälle unterschieden. Ent-
weder der Beschenkte ist seinem Vater ebenbürtig und deßhalb auch
neben seinen nicht beschenkten Brüdern als Mit erben zu dessen
Nachlasse berufen; oder er ist dem Vater nicht ebenbürtig und folg-
lich auch gar nicht dessen Erbe. Auf den letzten Fall gehen
daher die Bestimmungen, daß er die Geschenke weder an die Er-
ben des Vaters, noch an dessen Herren zurückzugeben brauche. Letz-
teres aber bezieht sich darauf, daß der Lehnherr, jedoch freilich wohl
nur dann, wenn das Lehngut selbst ihm heimfiel, öfters das Heer-
geräthe seines Vasallen als Mortuarium zu beanspruchen
hatte, insoweit es nicht bereits durch eine gültige Schenkung des
Vasallen zu Gunsten seines unebenbürtigen Sohnes, an diesen über-
tragen war. — Für den ersten jener beiden Fälle gilt hingegen die
Bestimmung, daß der Beschenkte das, was er erhalten hatte, nicht
mit seinen Brüdern zu theilen brauche.
Im Allgemeinen stellt jedoch das altdeutsche Erbrecht, im Wi-
derspruche hiermit, den Grundsatz auf, daß Kinder alles dasjenige,
was sie bei Lebzeiten ihrer Eltern von diesen bereits erhalten ha-
ben , allerdings auf ihren Erbtheil sich müssen anrechnen lassen,
sobald es nach dem Tode der Eltern zwischen ihnen und ihren Ge-
schwistern zur Theilung der Erbschaft kommt; vorausgesetzt, daß sie
nämlich nicht etwa ohnehin durch das, was ihnen zugekommen war,
schon ganz abgefunden worden, und darum überhaupt aller
weiteren Erbansprüche ledig waren. Vgl. Sachsensp. I. 13. §. i:
Sundert vader unde müder enen iren sone oder ene ire doeliter
van in mit irme gute, se tvein sik mit der kost oder ne dun,
willet se na des vader dode oder na der müder dode an ir erve
deil spreken, die bruder an der brtidere, oder de gemannete doch-
ter ani der unbestadeden suster; se muten in de dele brin-
gen mit irme ede al dat gut, dar se mede afgesundert
fraren . . . §. 2- Hadden se aver ir ervedelunge daran verloft,
der sulen se umberen etc.
Dies gilt aber nicht blos von beweglichem Gute, sondern auch
voll Liegenschaften. Denn der Sachsenspiegel unterscheidet hier aus-
drücklich zwischen varendem gute, welches eidlich eingeworfen wer-
den soll/ indem der Einwerfende beschwört, daß er nicht mehr
als das, was er zur Theilung bringt, erhalten habe; und solchem

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