Full text: Zeitschrift für deutsches Recht und deutsche Rechtswissenschaft (Bd. 14 (1853))

Bemerkungen zum Sachsenspiegel. 7
daß man das kleine Wesen mit gewissen Entzauberungsformeln
in den Backofen, sobald das Brod heraus war, hinein schob und
wieder zurück zog. Vielleicht hängt dieser Aberglaube mit slavi-
schen Gebräuchen zusammen, von denen Eckermann (Lehrbuch der
Religionsgeschichte der Alten IV. 2. S. 173). sagt: das Feuer galt
auch bei den Böhmen für das reinigende Princip, und neugeborene
Kinder Pflegten deßhalb von den Hebammen über das Feuer em-
por gehoben zu werden/welches auf dem Heerde loderte, indem sie
dabei zu den Göttern fleheten.
Auf eben diesen Aberglauben würden wir jedoch auch zurück
geführt werden, wenn wir das Wort alt-vil als ein znsammenge-
setztes zu betrachten hätten. Denn die letzte Sylbe würde dann
wohl kaum anders als von dem althochdeutschen quelan, mittel-
hochdeutschen queln abgeleitet werden können. Vgl. Diefenbach,
Wurzelwörterbuch II. S. 471. Dieß Zeitwort aber nimmt die
Bedeutung 1anZu6866r6, tali6866r6 an; daher das altn. quill!:
Kränklichkeit, Schwächlichkeit. — Alt-quil würde mithin durch so-
nsetuts IanAN6866N8 8. tadesvens erklärt werden müssen, und in der
Zusammensetzung würde, durch das Verschlucken des q, Hieraus
alt-vil entstanden sein. — Indessen könnte man auch an das alt-
hochdeutsche vill-ol (filiolus) denken, wozu das albanesischö Ftdlt,
lebendig, FiaX, leben, ein Analagon gewähren dürste, und alt-vil
würde dann durch senilis infans zu erklären sein. Vgl. Grimm,
Gramm. II. S. 116, und Tylander, Sprache der Albanesen
s. v. Ftüi. — Die Erklärung durch Diminution scheint uns jedoch
bei weitem die richtigere zu sein, wie sie denn jedenfalls auch mit
dem vorhin gegebenen Aberglauben und der hieraus abgeleiteten
Sacherklärung des Worts am besten übereinstimmt *).
Wenn nun aber jener Aberglaube, vielleicht schon vom An-
fänge an, nicht eben sehr weit verbreitet war, so lag es nahe, daß

.1) Herr Hofrath Holtzmann, der diese Erklärung, wegen deren ich ihn
als gründlichen Kenner der altdeutschen Sprache um seine Meinung
fragte, ebenfalls billigte, hatte die Güte mir mitzutheilen, im fPoifi
dieterich werde auch ettf gezwerg artfelse oder ertweilsö erwähnfi
Brgl. Cod. Palat. 373. toi. 62. b. et Cod. 365. — Doch zWefl^elk «
selbst, daß dieser RaMe einen Aüfschktß Mer U9 Wott altvü$0ftl
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