Full text: Zeitschrift für deutsches Recht und deutsche Rechtswissenschaft (Bd. 9 (1845))

8. Der gelobte Frieden und dessen Verletzung : nach schweizerischen Rechtsquellen des späteren Mittelalters

VI.
Der
gelobte Frieden und dessen Verletzung,
nach schweizerischen Nechtsquellen des späteren Mittelalters.
Von
Joh. Jakob Vlumer,
Mitglied des Civil-Gerichtes in Glarus.

Frieden hieß bei den alten Deutschen der geordnete, rechtlich
gesicherte Zustand in der Staatsgemeinschaft. Wer denselben ver-
letzte, indem er auf unrechtmäßige Weise einem Andern an Leib oder
Gut Schaden zufügte oder seine Ehre kränkte, beging einen Frie-
densbruch
Sehr häufig kommen indessen diese Ausdrücke, besonders in spä-
ter» Nechtsquellen, in einem engern Sinne vor. Es wurde nämlich
der gemeine Frieden, welchem man nicht für alle Fälle hinlänglichen
Schutz gegen Gewaltthaten zuschrieb, oft noch durch besondere
Frieden verstärkt, welche entweder nach der allgemeinen Nechtsansicht
gewissen Zeiten, Orten und Personen zukamen oder im einzelnen
Falle durch ausdrückliches Gelobniß der Vetheiligten erwirkt wur-
den. Das Letztere kömmt schon im höchsten Alterthume vor, sowohl
in den deutschen als auch in den skandinavischen Volksrechten 1 2j.
Ein eidliches Versprechen, sich aller Feindseligkeiten zu enthalten,
mußte nach Gesetz und Herkommen besonders dann geleistet werden,
wenn dem durch ein Verbrechen Beleidigten das Sühngeld, welches
ihm in Folge eines gerichtlichen Urtheils oder gütlichen Vergleiches

1) Vgl. Wilda, Strafrecht der Germanen, S. 225. 264.
2) Wilda a. a. O. S. 194. 229 ff.

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