Full text: Sächsisches Archiv für bürgerliches Recht und Prozeß (Bd. 1 (1891))

Darlehne zu erlaubtem Spiele. 42i
Spätere Entscheidungen sind dieser Auffassung wenigstens in solchen Fällen
gefolgt, wo Darleiher und Darlehnsempfänger sich als alleinige Spielgegner
gegenüberstanden, so daß der Verlust des einen gleichzeitig den Gewinn des anderen
bildete und es daher für angängig erachtet wurde, das Darlehn als Kreditirung
eines Spielverlustes — sei es eines vorher eingetretenen Verlustes, der den
Darlehnsempfänger seiner Baarmittel beraubt hatte, oder sei es eines etwaigen
Verlustes bei der nun folgenden Fortsetzung des Spiels — aufzufassen.
Zu vergl. Wochenblatt f. m. R. 1870 S. 448. Entscheidungen des
B.O.H.G. vom 9. März 1871 in Zeitschr. f. R. u. V. Neue Folge
Bd. 37 S. 63. Wengler's Archiv 1876 S. 148, 1878 S. 97
(identisch mit Annalen d. O.A.G. 2. Folge Bd. 6 S. 184). Ent-
scheidungen des R.O.H.G. Bd. 25 S. 290.
Indessen liegt ein Fall der letzteren Art hier nicht vor. Kläger und Be-
klagter tippten vielmehr selbviert, und zwar mit Passen. Es mußte also nicht jeder
Mitspieler an jedem einzelnen Spiele theilnehmen, jeder war bald Genosse, bald
Gegner der übrigen und es lag kein Anhalt für die Annahme vor, daß die Be-
träge, welche Beklagter zu den Zeitpunkten des Empfangs der 30 und 20 Mk.
im Spiele verloren hatte oder noch verlieren würde, gerade vom Kläger gewonnen
waren oder noch gewonnen wurden.
Dennoch hätte das Gericht zu einer dem Beklagten günstigen Entscheidung
dann'gelangen müssen, wenn der in der angezogenen Entscheidung des vormaligen
Kgl. Sächs. Oberapp.-Ger. vom 8. October 1868 dargelegten Auffassung bei-
zutrcten gewesen wäre, welche in ihrer prinzipiellen Allgemeinheit nicht nur auf
den Fall des dem speciellen Spielgegner zum Spiel gewährten Darlehns, sondern
auch aus Fälle wie den vorliegenden sich bezieht. Es ist nun aber nicht zutreffend,
wenn dieses Erkenntniß die Kreditirung eines Spielverlustes und das Darlehen
zur Bestreitung der Spieleinsätze unter der Kategorie des „Spiels auf Kredit"
zusanimcnfaßt und daraufhin die Klagbarkeit in beiden Fällen verneint. Es be-
steht vielmehr zwischen jenem und diesem Falle juristisch ein sehr erheblicher Unter-
schied. Kreditirt Jemand seinem Spielgeguer dadurch, daß er sich mit demselben
in das Spiel einläßt, obwohl der Gegner zur künftigen Bezahlung des etwaigen
Spiclverlustes keine Mittel oder keine Neigung hat, so erwächst eine Forderung
nicht aus der Kreditgewährung an sich, sondern sie kann erst aus dem Spiele selbst
erwachsen und ist alsdann nach § 1480 des B.G.B.'s klaglos. Kreditirt aber
Jemand seinem Spielgegner dadurch, daß er ihm Geld darleiht, damit derselbe die Spiel-
einsätze bestreiten kann, so erwächst eine Forderung schon aus der Hingabe des
Darlehns, noch ehe das empfangene Geld zum Spiel verwendet worden ist, und
es ist nicht zu erkennen, >vie diese klagbare Darlehnsforderung durch die Verwen-
dung des Geldes nachträglichen ihrem rechtlichen Grunde umgestaltet und in eine
Forderung aus dem Spiel verwandelt werden sollte. Die Kategorie „des Spieles
auf Kredit", unter welcher das O.A.G. die beiden fraglichen Formen der Kredit-

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