Full text: Sächsisches Archiv für bürgerliches Recht und Prozeß (Bd. 1 (1891))

Literatur.

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tisch wichtiger Streitfragen und eine ansehnliche Literatur hervorgerufen hat. Den theilweise
umfangreichen Kommentaren von Esser, Frankenberger, Kayser, Ring und Völ-
derndorff schließt sich das nunmehr fertig vorliegende Petersen-Pechmann'sche Werk an.
Die Verfasser, haben den nicht leichten Versuch unternommen, mit der Form des Kom-
mentars die Darstellungsweise des Lehrbuchs zu vereinigen. Zum Theil ist dieses Bestreben
wohl im Stoffe selbst begründet, denn nur die unverändert aus dem Handelsgesetzbuch her-
übergenommenen Theile des Gesetzes bequemen sich der Form des Kommentars willig an,
die Begründung des neugeschaffenen Rechts drängt mehr zu einer systematischen, lehrbuch-
artigen Behandlung. Von Einzelheiten abgesehen, erachten wir den Versuch für wohlgelungen.
Tie Darlegung folgt den einzelnen Artikeln des Gesetzes. Das Schwergewicht liegt deshalb
auf der Besprechung der Kommanditgesellschaft auf Aktien, weil diese im Gesetz vorangeht,
bei der Besprechung der Aktiengesellschaft ist auf das Vorangegangene vielfach verwiesen. Da-
neben ist der systematischen Bearbeitung hauptsächlich durch eine veränderte Gruppirung der
nicht eben glücklich geordneten Bestimmungen über die Kommanditgesellschaft a. A. und durch
Verweisung der Belegstellen in Anmerkungen Raum geschaffen worden.
Die Verfasser sind mit der besonderen Natur des zu behandelnden Lebensgebiets, den
demselben ungehörigen praktischen Bedürfnissen und Gepflogenheiten wohlvertraut; (vergl. z. B.
die Abschnitte über die Geschäftsführung, die Bilanz und den Reservefonds). Von gründlicher
Kenntniß der Literatur und Rechtsprechung zeugen die Anmerkungen mit ihren keineswegs
gehäuften, trefflich ausgewählten, werthvollen Nachweisen. Bevorzugt ist die Rechtsprechung
des Reichsoberhandelsgerichts, des Reichsgerichts und des Oberlandesgerichts Dresden, doch
finden sich auch Entscheidungen Zahlreicher anderer, deutschen und ausländischen Gerichte.
Die Literatur ist bis auf die, wenigstens noch in dem Verzeichnisse von Zusätzen und Berich-
tigungen S. IX (in welchem übrigens zur Erleichterung der Uebersicht noch zu S. 225 flg,
auf S. 427 flg., zu S. 231 auf S. 428, zu S. 226, 233 flg. auf S. 429, zu S. 282 Anm. 2
auf S. 662 Anm. 3, zu S. 306 flg. auf S. 565 Anm. 1 und zu S. 424 Anm. 1 auf S. 682
Anm. 1 hätte verwiesen werden können) angezogene kurze Abhandlung von Völderndorff's
über den Ort der Generalversammlung (Arch. für bürg. Recht Bd. 4, S. 170) benutzt, ins-
besondere sind die zahlreichen abweichenden Ansichten anderer Ausleger des Gesetzes gewissen-
haft berücksichtigt worden. (In der Anm. auf S. 343 ist eine Ansicht Kayser's wohl nicht
richtig wiedergegeben, Kayser S. 64, Abs. 2 Bem. 7.)
Ein gewichtiges Hülfsmittel der Auslegung bilden die Materialien des Gesetzes. Sie
haben ihrer Bedeutung entsprechend vielfach, oft in Form möglichst kurzer Citate, Verwerthung
gefunden. Gleichwohl ist die Stellung der Verfasser zu diesem Auslegungsmittel eine freie
(vgl. z. B. S. 48, 90 Anm. 2, 134, 212 Anm. 2, 226 Anm. 3, 228 Anm. 2, 260, 268, 303,
342, 355, 369 u. a.), und sie widerstehen der Versuchung, etwas aus den Materialien in
das Gesetz hineinzutragen, was nicht in diesem seinen Ausdruck gefunden hat. Dem Gesetzes-
text selbst gegenüber sind die Verfasser frei von Aengstlichkeit (vgl. z. B. S. 120, 245—253,
302, 349 u. a.) aber auch von Willkür. Es gehört u. E. zu den besonderen Vorzügen des
Merks, daß es sich stets in engem Anschluß an das Gesetzeswort zu halten versteht. An
manchen Stellen nimmt die Auslegung auf den besonderen Zweck des Gesetzes Bezug, der
in der Bekämpfung gewisser auf dem Gebiet des Aktienwesens hervorgetretener Ausschreitungen
besteht (vgl. z. B. S. 2 Ziffer 3, 20 Anm. 1, 56 Anm. 1, 2, S. 90, 98 Anm. 4, 132, 223
Anm. 1, 236 unter I, 360 u. a.) Mit Recht ist in der Einleitung darauf hingewiesen, daß
von zwei im Uebrigen gleichstehcnden Auslegungsarten diejenige den Vorzug verdiene, welche
von der Annahme ausgehe, daß der Gesetzgeber eine seinen Zwecken entsprechende Vorschrift
aufgestellt habe. In der Regel ist dies, heißt es dort weiter, diejenige Auslegung, welche
in Hinsicht auf die im Gesetze gestellten Ansprüche als die strengere erscheint, man ist daher
berechtigt, den Satz aufzustellen, daß im Zweifel für die strengere Auslegung zu entscheiden

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