Full text: Zeitschrift für deutsches Recht und deutsche Rechtswissenschaft (Bd. 17 (1857))

473

Der Nachtschach.
Irrthum genannt werden. Bei dieser Sachlage ist der Versuch
einer neuen sprachlichen Erklärung, die sich mit den Quellenzeug-
nissen vereinigen läßt, gerechtfertigt.
Im Veda-Sanscrit eristirt ein Verbum khag’ — hin und her
bewegen, schütteln. Von khag' ist khag’a = Schlacht abgeleitet.
Wenn, wie oft, kh für sk steht, so entspricht das Verbum lautlich
und begrifflich dem angels. scacan (altnord, skaka, engl, shake)
und das althochd. seLh und schkch (lat. scachurn) läßt sich wohl
ohne Kühnheit damit in Verbindung setzen, und das Schütteln als
Angriff nehmen. Da der Angriff auf eine Person sehr oft geschah,
um sie zu berauben, so lag es sehr nah, im Gebrauche des Wortes
über den ursprünglichen Buchstabensinn hinauszugehen und seLh und
schäch als räuberischen Angriff zu nehmen. Das Compositum
shahroup in der oben angeführten Constitution und das friesische
scLcrLf ist bei dieser Erklärung gar kein Pleonasmus, da ja zum
Begriffe „rauben" im germanischen und altdeutschen Strafrecht noch
nicht nothwendig die persönliche Vergewaltigung und der Angriff*
auf die Person gehört. Auch die von Schmeller angeführten
Composita „Mortschach" und „Schachbrand", welches letztere sich
ohne Erklärung in den Mon. Boiea XI, 49 findet, können ganz
nach ihrem Silbengehalt anfgefaßt werden. Die in „Mortschach"
zusammengefugten zwei Begriffe sind auseinander gelegt im Züricher
Richtebrief, wo es heißt: „von ansprechi nachtschaches umbe den
mort." — Zur Stütze meiner Erklärung führe ich noch die in einem
6ap!tu1ars Karoli II (Pertz III, 426) doppelt vorkommende Eides-
formel an: »Ego ille ad salitur am, illud malum quod sc ach
vocant vel tesceiam non faciam — et quem scio qui nunc latro
aut scachcator est — non celabo.44 Adsaltus, assultus, adsali-
tura, insultus ist in den lateinischen Quellen des Mittelalters sehr
häufig, z. B. Pertz Mon. IV, 55: praedas et assultus.
Der Nachtschach, den wir nach den im Vorstehenden durchge-
musterten Quellenzeugnissen als dem alamannischen Rechte ange-
hörig bezeichnen dürfen, ist ein weiter Begriff, der vom Standpunkte
der heutigen strafrechtlichen Theorie vollendete Verbrechen, aber
vorzugsweise Versuchshandlungen in den verschiedenen Formen des
Angriffs umfassen kann, allein unsere Theorie vom Verbrechens-
versuch ist dem alten deutschen Strafrecht durchaus fremd. Wir
würden fragen, wenn bei einem rechtswidrigen Handeln die rechtS-
Zeitfchrift für deutsch«- Recht. 17. Bd. r. H. 31

Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer