Full text: Zeitschrift für deutsches Recht und deutsche Rechtswissenschaft (Bd. 11 (1847))

11. Vorschlag einer Sammlung deutscher Rechtsgewohnheiten : Nebst einer Anmerkung der Redaktion

VIII.

Vorschlag einer Sammlung deutscher Rechts-
gewohnheiten.
Von
Dr. Mart Sternberg,
Obergerichtöanwalte und Privatdocenten zu Marburg.
Nebst einer Anmerkung der Redaktion.

Die Entwicklungsgeschichte der deutschen Rechtsgestaltung zer-
fällt in drei Hauptperioden:
1) die des urdeutschen Patriarchalsystems,
2) die des Feudalsystems,
3) die der Herrschaft der Staatsidee.
Sie werden nicht sowohl durch Jahreszahlen geschieden, als
durch den Durchbruch einer neuen Lebensidee, welche, sich der
Herrschaft bemächtigend, die Bruchstücke des früheren Systemes in
sich aufnimmt, und dem neuen Organismus entsprechend gestaltet.
So verlor sich der bewegende Pulsschlag der ersten Periode,
die Gau- und Markenverfassung, ohne große Erschütterun-
gen in dem Feudalsysteme, in gleichem Schritt mit demWachs-
thume der Lehensidee; so starb die Lehensidee immer mehr ab, je
mehr die Herrschaft der Staatsidee und die in ihr gegrün-
dete Anforderung der Gleichheit vor dem Gesetz zur Entwick-
lung und zum Bewußtsein gelangte. Ist auch der Uebergang der
2. in die 3. Periode durch heftige Erschütterungen bezeichnet, so
muß man doch anerkennen, daß der gesunde Sinn des Deutschen
stets auf die Bahn organischer Entwicklung zurücklenkte, selbst
wenn die Gewalt der Ereignisse ihn zeitweise über die Gränze
hinausgewiesen hatte.
Aus der ersten wie aus der zweiten Periode finden sich daher
noch mannigfache Ueberreste; ja gerade diesen Perioden gehört der

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