Full text: Zeitschrift für deutsches Recht und deutsche Rechtswissenschaft (Bd. 13 (1852))

Von den Gläubigern der Aktiengesellschaft. 413
Gesellschastszweck, während der Dauer der Gesellschaft, doch die in-
dividuelle Freiheit der Mitglieder durch die Möglichkeit des Aus-
tritts offen erhält. Diese Möglichkeit ist zumal da zu beanspru-
chen, wo der Eintritt von Mitgliedern nicht von der Zustimmung
aller bisherigen Mitglieder abhängt: denn ein gezwungenes Behar-
ren in einer Gesellschaft, worin man sich Genossen ohne eigene
Wahl an die Seite setzen lassen muß, ist in der That eine so
unnatürliche Zumuthung, daß man sie, wäre dergleichen auch in
den Gesetzen gestattet, bei dem besten Willen der Aktionäre für die
Zwecke der Aktiengesellschaft nicht als von denselben beabsichtigt
voraussetzen könnte.
Auch in vermögensrechtlicher Beziehung würden aus einer solchen
Einrichtung der Gesellschaft, welche Alles aufnähme und Niemand zu-
rückgäbe — Folgen hervorgehen, welche das römische Recht nicht billigt.
Obgleich nämlich bei der gemeinen Societät der socius persönlich sehr
strenge verpflichtet ist, so kann er doch jederzeit Theilung beantragen und
dadurch sich vor künftigen Nachtheilen sichern; nur zur Unzeit (d. h.
wenn gerade der Rücktritt für die Gesellschaft sehr nachtheilig wäre)
oder zwischen der Zeit (wenn die Gesellschaft auf bestimmte Zeit
eingegangen worden) darf er nicht austreten, außer wenn beson-
dere rechtfertigende Ursachen vorhanden sind. Der Gesellschafter
ist ferner in der offenen Gesellschaft wesentlich dadurch geschützt/
daß nichts ohne seine besondere Zustimmung unternommen werden
darf, daß namentlich kein Geschäftsführer, kein Venvalter ausge-
stellt werden kann, dem er nicht auch sein Vertrauen geschenkt, we-
nigstens seine Stimme gegeben hat. Dagegen müßte sich der Ak-
tionär nach der oben erwähnten Ansicht gefallen lassen, auch nach
Abtretung der Aktie oder erklärtem Verzicht auf dieselbe forthin pas-
sives Mitglied der Gesellschaft zu bleiben, und Alles über sich er-
gehen lassen, was der Ausschuß oder die Mehrheit der Mitglieder
ohne sein Zuthun ferner beschließen würden.

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