Full text: Zeitschrift für deutsches Recht und deutsche Rechtswissenschaft (Bd. 13 (1852))

Ueber die Handlungsunfähigkeit der Geisteskranken. MH
nannte Schwabenspiegel fügt hinzu: ist ein Mensch also unsinnig,
daß er tobet, so sollen ihn seine Freunde (Verwandte) binden
oder der Richter, und hat er nicht eigene Mittel, so liegt dem
nächsten Verwandten der Unterhalt ob, subsidiär wieder dem Nich-
1er. Hier haben wir genau schon die Eintheilung in Blödsin-
nige, Wahnsinnige und Rasende, welche sich in den neueren
Gesetzbüchern findet, und es ist wohl gleichfalls nicht ohne Bedeutung,
daß eben diese Gesetzbücher auch das richtigere Princip deS deut-
schen Rechts über den Schadensersatz dieser Personen gegen die ab-
weichende römische Ansicht wieder zur Anerkennung gebracht haben *).
Aber wir dürfen auch nicht vergessen, was in der Mitte liegt
zwischen den Rechtsbüchern des dreizehnten und der Gesetzgebung
des vorigen und jetzigen Jahrhunderts. So schwankend auch die
römischen Begriffe von deinen« und furiosus, von furiosus und
mente captus sind4 5), so wurde doch gesucht, die bestimmtere deutsche
Unterscheidung zwischen thörichten, unsinnigen und tobsüchtigen Per-
sonen den römischen Grundsätzen anzupassen, und es läßt sich dieß
Nachweisen an dem Beispiele eines Landrechts, welches für die Geschichte
der Reception des römischen Rechts von großer Bedeutung ist.
Das württembergische Landrecht von 1555 nennt als testirun-
sähig: unbesinnte, tobsüchtige und thorechte Leut, so ihrer
Vernunft und gemeines Verstands beraubt, so lang sie nit widerumb
zu ihnen selbs und gutem Verstand oder Vernunft kommen 6). Das
dritte Landrecht v. 1610 Th. III. Tit. 2 § 5 wiederholt diese Unfähig-
keitsqualitäten mit einer kleinen Abweichung in der Fassung: „weil
sie ihrer Vernunft und gemeines Verstands beraubt." Zur Begrün-
dung der Bestimmung wird in dem (im Staatsarchiv aufbewahrten)
Berichte des Referenten vom dritten und vierten Theile des Land-
rechts, D. Eisengrein, hingewiesen auf mehrere der oben angeführ-
ten Stellen des römischen Rechts, und es sind die Ausdrücke: ohn-
besinnte und tobsüchtige Leute wohl parallel genommen den von

4) Preussisches Landrecht Th. I. Tit. 4. § 23. 26. Tit. 6. $ 41 f.
Oestreichisches Gesetzbuch § 21. 1308 f. Unbestritten war übrigens
die Geltung des römischen Rechts nicht. Hepp^ die Zurechuung
auf dem Gebiet des Civilrechts. Tübingen 1838. S. 175 f.
5) v. Gavigny, System des römischen,Rechts Bd. III. § iir,
6) Württemb. Gesetzsammlung Bd. IV. S. 354. ~

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