Full text: Zeitschrift für deutsches Recht und deutsche Rechtswissenschaft (Bd. 13 (1852))

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Reysch e r:
Krankheits - Erscheinungen als rechtlich erwiesen vorausgesetzt, lag
die Vermuthung sehr nahe, daß das Testament unter dem Einflüsse
jener krankhaften Idee entstanden und das Spital als Erbe nur ge-
wählt sei, um in formloser Weise testiren und so dem krankhaften
Hasse wider die armen Verwandten desto sicherer Folge geben zu
können.
Die Beweisfrage interessirt uns hier nicht, wohl aber die Rechts-
frage über den Einfluß periodischer und partieller Seelenstörungen
auf die Handlungsfähigkeit. Ein 'Gutachten, welches die' Iuristen-
fakultät zu Tübingen in dieser Sache zu erstatten hatte, gab mir
Veranlassung, näher auf die Zustände, welche hier in Betracht
kommen, einzugehen, und da die Fakultät meiner Ansicht beitrat,
so ist es vielleicht nicht allzu gewagt, wenn ich den einschlägigen
Theil des Gutachtens, wie er im Jahr 1838 entstanden ist, mit
wenigen, das Materielle nicht betreffenden, Zusätzen veröffentliche.
Dabei bemerke ich, daß der Streit ohne gerichtliche Dazwischen-
kunft durch einen Vergleich seine Erledigung fand, wonach die Erb-
schaft zwischen den Jntestat-Erben einer- und dem Testaments-Erben
andererseits zu zwei gleichen Portionen getheilt wurde.
8 1.
Das römische Recht spricht sich bestimmt dahin aus, daß
volle Geistesfähigkeit (integritas mentis) zum Testiren erfordert werde
und daß daher nicht blos vernunftlose Personen (qui mente carent),
sondern Geisteskranke überhaupt (qui non sanae mentis sunt) davon
ausgeschlossen seien *). Insbesondere werden erwähnt mente caxti
und furiosi, welche beide jedoch in lichten Zwischenräumen (äiluciäis
intervallis) testiren dürfen 1 2).
Die deutschen Rechtsbücher unterscheiden in einer andern Be-
ziehung und unabhängig von dem römischen Recht den rechten
Thoren und den sinnlosen Mann: über beide soll man
nicht richten, d. h. sie nicht strafen; der von ihnen gestiftete Scha-
den aber soll von ihren Vormündern ersetzt werden 2). Der soge-

1) J. II, 12 § 1. D. V, 2 fr. 2. XXVIII, 1 fr. 2.
2) D. XXVIIf, 1. fr. 17. C. VI, 22. const. 9.
H Sachsenspiegel, Landrecht B. III. Art. z. Schwabensp. Landrecht
(nach Laßberg) § 257.

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