Full text: Zeitschrift für deutsches Recht und deutsche Rechtswissenschaft (Bd. 13 (1852))

11. Ueber die Unfähigkeit der Geisteskranken zur Vornahme von Rechtsgeschäften

IX.

Uebet die Unfähigkeit der Geisteskranke« zur
Vornahme von Rechtsgeschäften
von
N e y scher.

Ein vormaliger Regierungsrath N. N. hinterließ ein Testament,
worin er das Hospital in N. N. zum alleinigen Erben seines Ver-
mögens eingesetzt hatte. Das Testament war von dem Erblasser
selbst geschrieben und entsprach somit, auch ohne Zeugen, der erleich-
terten Form des testamentum ad pias causas, wie sie im württem-
bergischen Landrecht, übereinstimmend mit dem kanonischen Rechte be-
stimmt ist. Die Inteftaterben waren zwar nicht ausdrücklich ausgeschlos-
sen; aber es bedurfte dessen auch nicht gegenüber von Geschwistern,
welchen eine fromme Stiftung vorgezogen war. Auch sonst zeigte
das Testament keinen Mangel; namentlich ließ sich daraus nicht auf
eine Geistesabwesenheit des Erblassers schließen, welcher, um sicher
zu gehen, dasselbe in drei Exemplaren an verschiedenen Orten hin-
terlegt hatte. Gleichwohl wurde das Testament von den Verwand-
ten angefochten, weil der Erblasser an partiellem Wahnsinne litt.
Namentlich wurden Zeugnisse der Aerzte und der Familie, bei wel-
cher der Verstorbene lange Zeit und bis zu seinem Tode in länd-
licher Zurückgezogenheit gelebt hatte, beigebracht, wonach derselbe
durch die fire Idee beherrscht war, von seinen Geschwistern, die es
an Aufmerksamkeit für ihn nicht fehlen ließen, tödtlich gehaßt und
verfolgt zu sein, eine Idee, welche mit irren Vorstellungen von ge-
spensterhaftem Eintreten dieser Verwandten durch das Schlüsselloch
oder die Ritzen der Wand sich verband, und bei einzelnen Anlässen,
z. B. einem Besuche seines Bruders in Tobsucht überging. Diese

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