Full text: Zeitschrift für deutsches Recht und deutsche Rechtswissenschaft (Bd. 13 (1852))

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Realgemeinden.
„Wenn nun so nicht die Theorie der universitss anzuwenden
ist, so ist es die vom gemeinschaftlichen Eigenthum, condominium
pro indiviso, jedem Berechtigten müssen ideelle Theile an dem ge-
meinschaftlichen Land zugeschrieben werden. Daraus folgt, daß Jeder
frei über seinen Theil disponiren kann, ohne vom Willen der Ge-
sammtheit abzuhängen, eine Veränderung in der Substanz wird
daher durch den Widerspruch jedes Einzelnen gehindert, da durch
die Veränderung zugleich über den Antheil des Widersprechenden
disponirt würde. Es gilt hier der Satz: melior est conditio pro-
hibentis. Indem also der Beklagte im vorliegenden Falle sich ge-
weigert hat, zu der Einräumung des angesprochenen Wegs seine
Zustimmung zu geben, so konnte der Kläger durch diese Einräumung
von Seite der andern Miteigenthümer keine Weggerechtigkeit er-
werben und somit auch seine Klage nicht hierauf stützen."
Gegen diese Entscheidung ergriff nun der Kläger die Apella-
tion an den Civilsenat des K. Ob er tribunal s.
In seiner Apellationsschrift suchte er die mitgetheilte Entschei-
dung geschichtlich und civilistisch nach allen Richtungen hin zu wi-
derlegen und machte namentlich die Anwendbarkeit der Grundsätze
des deutschen Gesammteigenthums (im Sinn Eichhorns und unter
Berufung auf dessen deutsches Privatrecht §. 168) in dem Sinne
geltend, daß das Eigenthum einer in ungetheiltem Besitz und Genuß
befindlichen Sache nicht den einzelnen Genossen, sondern wie bei
der universitss des römischen Rechts einem ideellen Rechtssubjekt
zustehe, ein Institut, das nur insofern nicht direct unter den Begriff
der römischrechtlichen universitss gebracht werden dürfe, als es sich,
übrigens materiell diesem römischrechtlichen Begriff gleich, selbst-
ständig und zwar speciell bei den Markgenossenschaften entwickelt habe.
Das K. Obertribunal bestätigte jedoch am 20. Juni 1849 das
Erkenntniß des Gerichtshofs. Die Entscheidungsgründe lauten, so-
weit sie hierher gehören, wortgetreu dahin:
„Der Kläger behauptet, daß das Rechtsverhältniß der Maier-
schaft nicht das des ungetheilten Miteigenthums (condominium pro
indiviso), sondern das des deutschrechtlichen Gesammteigenthums
(dominium plurium in solidum) sei, daß bei diesem Rechtsver-

haar, Würtembergisches Privatrecht l. §. 308. Richters civi-
listische Aufsätze S. 188.

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