Full text: Zeitschrift für deutsches Recht und deutsche Rechtswissenschaft (Bd. 13 (1852))

Realgemeinden. 119
storischer Zustände 26). Ihr Wesen kann daher auch, und zwar nicht
blos mittelbar, was überhaupt von jedem Nechtsinstitut gilt, son-
dern auch unmittelbar nur verstanden werden, wenn man ihre
Geschichte kennt.
Als besonderes Merkmal verdient hier noch hervorgehoben zu
werden, daß die Gemeinderechte durchaus veräußerlich sind. Be-
weise dafür finden sich bei Nenaud a. a.O. S. 47. Auch bemerkt
das oft erwähnte Gutachten der herzoglichen Negierung, daß diese
Nutzungen „durch Verjährung, Verträge u. s. w. erworben, auf-
gehoben, gemindert, erweitert und auf die mannigfaltigste Weise mo-
dificirt werden", und das mehr württembergische Nescript vom
6. Juli 1812 sagt von denselben: sie können, „wie anderes Privat-
eigenthum vererbt, verliehen und veräußert werden." 27)
Zum Schluffe mögen noch die Entscheidungen wür-
tembergkscher Gerichte dreier Instanzen in derselben Sache angeführt
werden. Die Maierschaft zu i\ hat in ungetheiltem Besitz.und Ge-
nuß ein unbebautes Stück Land, die „Allmand" daselbst. Einer der
Maier M. B. beabsichtigte, auf seinem an diese Allmand grenzen-
den Grundstück eine Sägemühle zu erbauen, und wünschte deßhalb
einen die Allmand durchschneidenden Weg an die Grenze seines
Grundstücks zu verlegen, und als Fahrweg von und zu seiner Säge-
mühle zu benützen. Sämmtliche Maier, mit Ausnahme eines Ein-
zigen I. L. erklärten, daß sie gegen die beantragte Verlegung und
Benützung des Wegs nichts einzuwenden haben. Jener Eine be-
harrte aber auf seinem Widerspruch. Daher klagte M. B., und
es kam zur gerichtlichen Entscheidung.
Das Bezirksgericht wies den Beklagten I. L. mit den ge-
gen des Klägers M. B. Verlangen erhobenen Einwendungen ab,
weil die Mehrheit der Maier dem Kläger die von ihm gewünschte
Verlegung des Wegs gestattet habe, die Minorität durch diesen Be-
schluß gebunden und mit ihrem Widerspruch rechtlich ausgeschlossen
sei, indem hier die römisch rechtlichen Grundsätze von dem condo-
minium pro indiviso, nach welchen der Widerspruch eines Einzel-
nen jede Veränderung hindert, nicht Platz greifen.
Gegen diese Entscheidung ergriff der Beklagte die Appellation

26) Gerber a. a. O. §. 51. Note 4.
27) Vgl. Reyscher a. a. O. §. 764. Note 7.

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