Full text: Sächsisches Archiv für bürgerliches Recht und Prozeß (Bd. 10 (1900))

3. Abhandlungen

3.1. Aus dem Familienrecht

Dr. Wulf ert, Aus dem Familienrecht.

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„Sorgen wir dafür, jeder nach seiner Stellung und Kraft, daß die alte säch-
sische Rechtsgelehrsamkeit auch unter der Herrschaft des neuen Rechts uns treu
bleibe und dadurch dieses. Recht dem theuren Vaterlande ein Palladium werde,"
so dürfen wir zwar heute auf ein Fortbestehen einer. ausschließlich sächsischen
Rechtsgelehrsamkeit nicht mehr hoffen, denn einer solchen ist durch das neue
für alle deutschen Bundesstaaten gemeinsam geltende Gesetzbuch im Wesentlichen
der Boden entzogen. Aber dennoch mag jene Mahnung v. Langenns auch jetzt
noch für uns von Bedeutung bleiben, wenn wir, eingedenk des Schiller'schen Wortes:
Immer strebe zum Ganzen! und, kannst du selber kein Ganzes
Werden, als dienendes Glied schließ' an ein Ganzes dich an!
geloben, an der Ausbildung und Entwickelung des neuen gemeinen deutschen
Rechts mitzuarbeiten mit demselben Ernst und derselben Hingebung, die wir
unserem bisherigen Gesetzbuche zu widmen bestrebt gewesen sind.

Abhandlungen.
Aus dem FamUienrecht.
Vorträge des Oberlandesgerichtsraths vr. Wulfert in Dresden.
Wirkungen der Ehe im Allgemeine«.
Unser bisheriges Recht theilt die Wirkungen der Ehe ein in solche in Be-
ziehung auf die Personen, solche in Beziehung auf die Rechtsgeschäfte und solche
in Beziehung auf das Vermögen der Ehegatten.
Das D. G.B verfährt etwas anders: es handelt in dem nur 10 Para-
graphen starken fünften Titel des ersten Abschnitts des vierten Buchs von den
Wirkungen der Ehe im Allgemeinen, und ordnet im sechsten, etwa 200 Para-
graphen umfassenden Titel das eheliche Güterrecht.
Bei den Wirkungen der Ehe im Allgemeinen werden nun zum Theil nicht
bloß die persönlichen Rechtsbeziehungen der Ehegatten zu einander geregelt, sondern
auch einige das Vermögen betreffende Folgen der Ehe festgestellt, die für alle im
sechsten Titel vorgesehenen Güterstände gelten.
Bevor ich aber aus die einzelnen Bestimmungen des fünften Titels näher
eingehe, möchte ich zunächst etwas Negatives vorausschickcn und von den Wir-
kungen sprechen, die die Ehe nach dem neuen Recht nicht hat.
WieSie schon gehört haben,ist die Ges chlechtsvormun dschaft, soweit dieselbe
überhaupt noch bestand (was wohl nur in einzelnen Theilen Bayerns der Fall
war i) völlig beseitigt. Aber die Geschäftsfähigkeit einer Frau wird nunmehr —
im Gegensatz zu unserm Rechte — auch durch die Eheschließung in . keiner
yHh's bayr. Privatrecht 1 S. 397.

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