Full text: Zeitschrift für deutsches Recht und deutsche Rechtswissenschaft (Bd. 12 (1848))

m Köstlin:
ihre Ausbildung zu reichsunmittelbaren Korporationen. Indessen
hatten sie hiebei die Grundherrschaften keineswegs immer gegen sich n),
obgleich die Principien beider sich feindlich entgegenstandcn. Im
Gegentheil verdankten sie den Grundherrfchaften viele ihrer wichtig-
sten Privilegien, nicht selten ihre Entstehung. Dieß deßhalb, weil
eben in die Zeit der Entwicklung des Städtewesens auch die Ent-
wicklung des Fürstenthums zur Landeshoheit fiel, daher die Fürsten
nach einer Seite hin mit den Städten gemeinsames Interesse und
von ihrem Aufblühen Vortheil hatten 78). Indem das Fürstenthum,
gegen das Kaiserthum gekehrt, für sich die Selbstherrlichker't erstrebte,
mußte es auch die Städte darnach streben lassen, wenn es nicht
seine Kräfte in doppeltem Kampfe zersplittern wollte. Daher er-
scheint es eine Zeit lang in einer Art von Waffenstillstand mit den
Städten, deren Entwicklung es Schritt für Schritt Raum gewinnen
läßt; wodurch cs denn auch geschah, daß zwischen Reichs- und Land-
städten allmälig fast aller Unterschied verschwand ,9). Die Städte
wurden souverän, wie die Fürsten selbst, und erst, nachdem dieß
beiden gelungen war, tauchte bei letzteren auf's Neue das Bestreben
auf, die Städte sich unterzuordnen, d. h. sie in den Organismus
des modernen Staats einzureiheu. Dem Mittelalter lag aber diese
Bewegung im Ganzen noch fern. Hier entschied die Auflösung der
im Kaiserthum vertretenen Staatseinheit für die Selbstherrlichkeit
der Städte, die sie erst im Kampf mit den Lehnsherrschaften, und
dann durch fortschreitende Koncessionen derselben errangen 80), Sie
wurden eine neue Welt, die, von ihrem eigenen Princip getragen,
sich in eigener Art fortbewegte, ihr eigenes Recht sich schnf, und
den Staatsbegriff unmittelbar sich selbst anpaßte. Am entschieden-
sten machte diese eigene Art sich geltend, seit die Stadtverfassung
selbst auf die Zünfte gegründet wurde, und damit dem Lehnsstaate
Per korporative im schärfsten Gegensatz entgegcntrat 8I).

77) Spittler, Gesch. v. Hannover, I. S. 32 f. J. v. Müller,
Gesch. d. Schweiz, I. Kap. 14.
78) Eichhorn lll. §. 455. not. g.
79) Eichhorn II. §. 431. v. Löw §. 61.
80) Eichhorn II. §. 455. v. Löw §. 59.
81) Eichhorn H. §. 312. III. tz. 432. v. Lancizolle S. 55 — 60.
Hüll mann II. S. 446 — 499.

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