Full text: Zeitschrift für deutsches Recht und deutsche Rechtswissenschaft (Bd. 8 (1843))

ISO

G. v. Struve:

Es darf von den Lesern dieser Zeitschrift nicht erwartet wer-
den, daß sie genaue Kenntniß von der Phrenologie besitzen. Viele
werden kaum einige schwankende Begriffe von dieser Wissenschaft
haben, andere kennen sie wohl blos aus den entstellenden Berichten
ihrer Gegner. Es ist daher nothwendig, daß ich einige allgemeine
Begriffe voranschicke, bevor ich das Wechselverhältniß der Phreno-
logie und des deutschen Rechts beleuchte.
Die Phrenologie, diese ursprünglich deutsche, jedoch wie so man-
ches Andere, erst im Auslande zu Ehren gelangte Wissenschaft geht
von dem Grundsätze aus:
Das Gehirn ist das Organ des Geistes; es ist bei jeder
Aeußerung geistiger Thätigkeit betheiligt.
Wie wir ohne die Thätigkeit der Lungen nicht athmen können,
wie ohne die Bewegung des Herzens unser Blüt in den Adern still
stehen würde, und wir in gesunden Tagen dieser Bewegung nicht
bewußt werden, und unmittelbar darauf nicht einwirken können, ge-
rade so vermögen wir ohne die Thätigkeit des Gehirns nicht zu den-
ken und zu fühlen, obgleich wir uns in gesunden Tagen eben so
wenig seiner Wirksamkeit bewußt werden, und daraus unmittelbar
einzuwirken im Stande find.
Das Gehirn wirkt aber nicht als ein einziges, untrennbares
Organ, sondern als eine, allerdings zu einem Ganzen ver-
bundene, Mehrheit solcher.
Dieser Grundsatz ist in den phrenologischen Schriften durch eine
Reihe der schlagendsten Naturbeobachtungen über allen Zweifel er-
hoben.
Der Grad der Energie, mit welcher ein Vermögen des Gei-
stes wirkt, entspricht unter übrigens gleichen Verhältnissen der
Größe seines Organs.
Diese Wahrheit erstreckt sich durch alle Reiche der Natur und
der Kunst. Sie gilt von dem Bau der Knochen des Adlers, wie
von dem Bau der Säulen eines Tempels, von der Stärke der Mus-
keln des Menschen, wie von derjenigen der Nerven des Elephanten.
Die äußere Oberfläche des Schädels entspricht der inneren,
und diese der Oberfläche des Gehirns. Es lassen sich also
aus der äußeren Erscheinung des Schädels auf die innere
Ausdehnung der verschiedenen Theile des Gehirns Schlüsse
ziehen.

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