Full text: Zeitschrift für deutsches Recht und deutsche Rechtswissenschaft (Bd. 15 (1855))

Von den unechten Kindern.

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nats, kann dieses seinen Grund — wie man gewöhnlich sonst an-
nimmt ,93j — nicht haben; denn dieß hätte doch vernünftigerweise
nie dahin führen können, das nur den Concubinenkindern gewährte
Erbrecht auf andere davon ausgeschlossene uneheliche Kinder zu
übertragen, wenn eine solche Ausschließung in der That so allge-
mein gewesen wäre, als man es anzunehmen Pflegt.
Beachtenswerth ist es auch, daß am Niederrhein eine Rechts-
übung bestand, welche dem Bastard die Hälfte des väterlichen Ver-
mögens zubilligte, wenn der Vater ihn anerkannt hatte, und ohne
eheliche Nachkommen gestorben war m). Es ist wohl kaum an-
ders anzunehmeu, als daß dieß auf einem alten Herkommen, das
die Gerichte anerkannten, beruhte. Das Geldernsche Landrecht *95)
gestattet es den unechten Kindern, auch wenn eheliche vorhanden sind,
einen Drittheil der wohlerworbenen Güter zu binterlaffen. Und so
möchten sich bei genauerer Nachforschung noch manche Bestimmungen *
zu Gunsten der ledigen Kinder finden, die nicht erst durch das rö-
mische Recht hervorgerufen sind. Doch dürfte dieß mehr außerhalb
des Gebietes des sächsischen Rechtes der Fall sein, in welchem mit -
besonderer Strenge die Recht- und Erblosigkeit der Kinder durch-
geführt zu sein scheint; so daß man denselben, indem sie gänzlich
von jedem Erbrecht an dem väterlichen Vermögen ausgeschlossen
wurden, auch nicht das Erbrecht in Beziehung zu ihrer Mutter ge-
währte, welches in andern Ländern gleichzeitig mit jener strengen
Ausschließung hcrvortrat.
Ich verlasse hiemit diesen für die Entwicklung der Rechts- und
Sittengeschichte des deutschen Volkes sicher nicht unwichtigen Ge-
genstand, auf welchen ich bei Gelegenheit anderweitiger Untersu-
chungen geführt worden bin, mit dem Wunsche, daß das, was ich
hier darzulegen oder anzudeuten gesucht, Berichtigung und Ergän-
zung finden möge.

193) S. Mayer, das Intestaterbrecht der Uber! naturales. Tübingen 1838.
194) S. Maurenbrecher, Rhein. Provinzialrechte Bd. 1. S. 237.
195) Th. III. Tit. 7. §. 5. bei Maurenbrecher Th. II. S. 760.

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