Full text: Zeitschrift für deutsches Recht und deutsche Rechtswissenschaft (Bd. 15 (1855))

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Wilda:

und ebenso auch noch in dem zweiten (Art. XL.VI) findet sich die
Bestimmung, daß, wenn ein unechtes Kind (Spilsohn) erschlagen
wird, man 50 Mark (d. h. das halbe Wergeld eines freien, der
vollkommen an seiner Geburt ist) bezahlen, und bei seder Geburt
die Buße um 10 Mark wachsen sollte '^).
Die unecht Gebornen wurden daher in Beziehung auf Wer-
geld (und Buße?) gewißermaßen den Freigelassenen und Liten gleich-
gestellt, nicht aber den Rechtlosen, die nach dem Sachsenspiegel nur
eine Scheinbuße und kein Wergeld hatten. Ob zwischen dem D i t-
marschen Rechte und dem der Friesen, in Betreff des hier be-
sprochenen Gegenstandes eine Uebereinstimmung stattfand, läßt sich
aus dem, was uns die Rechtsaufzeichnungen mittheilen, nicht ent-
nehmen. In den friesischen Rechtsquellen ist aber wiederholt von
„einer Hornungsgabe" (honiing6 iewa). die Rede, d. h. eine
Abfindung, welche den unechten Kindern ertheilt wurdet), und
es scheint fast, als wenn sie einen Anspruch auf eine solche Gabe
gehabt hätten, da dieselbe als ihr Erbtheil bezeichnet wird ^). Die
Hornec's Gabe sollte auf die Nachkommen desselben bis zum drit-
ten Grad (thredde sia) vererben, oder (wenn keine Descendenz da
ist) an den Geber oder dessen Erben zurückfallen.
§. 28.
Anklänge einer andern Auffassung des Verhältnisses der ledi-
gen Kinder als sie im Mittelalter herrschend geworden waren, fin-
den sich aber auch noch in andern Rechtsquellen; beachtenswerth ist
in dieser Hinsicht schon die in einigen Handschriften des Schwaben-
fpiegels enthaltene Bestimmung, daß eine Gabe, die ein Vater sei-

187) Vortmer efft dar en spelzone gheslaghen worde, den shalme beta-
len vor vefflich Mk. vnde vort elken bort shal wynnen X Mk. Mi-
chelsen, alt Ditmarsche Rechtsquellen S. 31 übersetzt spelson durch
Spindelsohn, welches er in der Anmerkung zu dieser Stelle er-
klärt: „einen solchen, der keine Schwertmagen hat, also zunächst den
unehelichen". Siehe aber oben Note 33.
'188) Gesetze der Emsiger §. 30 bei von Richthofen S. 236. 237. 239. Ge-
setze der Hunsingoer §. 48. S. 357.
189) Erbrecht des Humsterlandes §. 3 (bei v. Richthofen S. 363). Hoer-
ning nymt hoerninges lawa (Verlaffenfchaft, Erbtheil). Der Titel ist
Aberschrieben: „Spolkinder erffdele“.

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