Full text: Sächsisches Archiv für bürgerliches Recht und Prozeß (Bd. 2 (1892))

28. Literatur

28.1. Kohler, Das literarische und artistische Kunstwerk und sein Autorschutz

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Äteratuv.

inlegrirenden Bestandtheil der Ladung des Schuldners zur Leistung des Offen-
barungseideS bildende richterliche Terminsbestimmung gerechnet werden, da nach
§ 7811 der C.P.O. das Verfahren für Abnahme dieses Eides bereits mit dieser
Ladung beginnt rc.
(Es folgen die nämlichen Erwägungen, welche in dem vorstehend abgedruckten Be-
schlüsse vom 2. Dezember 1890, 0. B. n. 17/90 in dem Satze dargelegt sind, der mit: „dieß
rechtfertigt sich" beginnt und mit den Worten: „die Haft anordnen muß" schließt.)
Hiernach konnte, da das Kgl. Amtsgericht O. als Gericht des Aufenthalts
um die Terminsbestimmung angegangen ist, dasselbe dem Ersuchen nur in Er-
mangelung des Vorhandenseins eines Wohnsitzes des Schuldners
entsprechen, für welchen letzteren Umstand nach allgemeinen Grundsätzen der Gläu-
biger beweispflichtig war. Da ein solcher Beweis nicht geliefert worden, ist das
Ersuchen mit Recht zurückgewiesen worden."

Literatur.
A.
Besprechungen.
Das literarische und artistische Kunstwerk und sein Autorschutz. Eine juridisch-
ästhetische Studie von Köhler. Mannheim, Bensheimer's Verlag. 1892. Preis
broch. 5 Mk.
Motto: „Der richtige Weg zur Erkenntniß des Autorrechts führt
durch die Erkenntniß der Kunst hindurch."
Dies neuste Werk Kohler's ist eine feinsinnige Ergänzung und Weiterentwicklung der
in seinen früheren Werken, namentlich in seiner Abhandlung „Das Autorrecht" vertretenen
Anschauungen.
Das Autorrecht gehört zu den Jmmaterialgüterrechten. Sein Gegenstand ist eine
ästhetische Jdealgestaltung. Die nach bestimmten Richtungen gewährte ausschließliche Aus-
beute dieser Jdealgestaltung bildet den Inhalt des Autorrechts. Von dieser Grundlage aus-
gehend sucht der Verfasser durch juridisch-ästhetische Analyse des Kunstwerkes das unkörperliche
Ding, an welchem das Autorrecht besteht, näher zu fassen, seine Eigenschaften zu erforschen
und seine charakteristischen Merkzeichen darzuthun.
Köhler unterscheidet: 1. äußere Form, — 2. innere Form, — 3. inneren Gehalt,
imaginäres Bild des Werkes.
Bei den literarischen Werken belehrenden, wissenschaftlichen Inhalts findet ein Autor-
schutz statt an der äußeren Form (Sprache) und an der inneren Form (Styl), nicht aber an
dem belehrenden Inhalte, an den wissenschaftlichen Entdeckungen, welche das Werk enthält.
Wenn Jemand den Inhalt, das Ergebniß einer fremden wissenschaftlichen Arbeit benutzt,,
veröffentlicht, so begeht er kein Unrecht. Eignet er sich den Inhalt einer solchen Arbeit in
dem Sinne an, daß er sich als ihren Urheber ausgiebt, so handelt er allerdings rechtswidrig;
seine Handlung (Plagiat) ist aber nicht eine Verletzung des Autorrechts, sondern eine Beein-
trächtigung des Individualrechts.
Bei den literarischen Kunstwerken dagegen geht die Schöpfung und das Autorrecht

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