Full text: Sächsisches Archiv für bürgerliches Recht und Prozeß (Bd. 2 (1892))

•f> e urici, Stellung des Konkursverwalters.

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ordnung bekunden, daß man den Zweck des Verfahrens, die Befriedigung der
Konkursgläubiger, nicht aus den Augm verloren hat.
Dem Gemeinschuldner gewährt die Konkursordnung keinen Einfluß auf die
Wahl des Konkursverwalters, wohl aber den Gläubigern. 88 ?2 und 102.
Dasselbe gilt auch von der Entlassung des Verwalters. % 16.
Obwohl es nicht hervorgehoben wird, versteht es sich von selbst, daß es
dem Gemeinschuldner unbenommen bleibt, den Konkursrichter oder den Gläubiger-
ausschuß auf Ordnungswidrigkeiten in der Geschäftsführung des Verwalters auf-
merksam zu machen.
Aber nicht ihm, sondem nur dem Gläubigerausschuß, ist neben dem Konkurs-
richter ein Aufsichtsrecht eingeräumt worden.
Die Bestellung eines Gläubigerausschusses hat die Konkursordnung nicht
für alle Konkurse angeordnet, auch nicht bestimmt, unter welchen Voraussetzungen
sie erfolgen müsse, aber doch wohl vorausgesetzt, daß in den bedeutenderen Kon-
kursen, wo die Verhältnisse nicht so einfach sind, daß keine Verwickelung in Aus-
sicht steht, ein Gläubigerausschuß werde bestellt werden.
Der Gläubigerausschuß ist zur Ueberwachung der Geschäftsführung des
Verwalters und Revision der Kasse berufen und berechtigt vom Verwalter Be-
richterstattung über die Lage der Sache und die Geschäftsführung zu verlangen. § 80.
Die Gläubigerversammlung beschließt, in welcher Weise und in welchen Zeit-
räumen der Verwalter ihr oder einem Gläubigerausschuß über die Verwaltung
und Verwerthung der Masse Bericht erstatten und Rechnung legen soll. 8 120
Abs. 2.* *)
Auch die Schlußrechnung wird nicht dem Gemeinschuldner, sondern der
Gläubigerversammlung gelegt. Der Gemeinschuldner ist jedoch berechtigt Ein-
wendungen zu erheben. 8 78.
Insoweit das Verfügungsrecht des Verwalters einer Beschränkung unterliegt,
welche, wo ein Gläubigerausschuß besteht, eine recht weit greifende ist, hat der Ver-
walter nicht die Genehmigung des Gemeinschuldners sondern die des Gläubiger-
ausschusses bezw. der Gläubigerversammlung einzuholen. 88 121 u. 122?)
Ihm kann demnach, so oft er in die Lage kommt, in Angelegenheiten, wo
die Interessen des Gemeinschuldners und die der Konkursgläubiger nicht Hand
in Hand mit einander gehen, nie ein Zweifel darüber auflommen, daß er nur
die Interessen der Gläubiger zu Rathe ziehen darf?)

4) Man kann also doch wohl schwerlich mit Petersen, vergl. dieses Archiv Bd. I. S. 26,
das den Gläubigern eingeräumte Äufsichtsrecht als ein sehr beschränktes bezeichnen; vergl.
übrigens Busch, Zeitschr. f. D. CP. Bd. 9 S. 9.
*) Vergl. übrigens die im Jntereffe des Gemeinschuldners im 8 126 getroffene Be-
stimmung.
«) Petersen meint das wohlverstandene Jntereffe der Gläubiger falle immer zusammen
mit dem eine» ordentlichen Schuldners. Busch. Zeitschr. Bd. 9 S. 9. Das trifft doch wohl

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