Full text: Sächsisches Archiv für bürgerliches Recht und Prozeß (Bd. 2 (1892))

326 Pfändung beweglicher Bestandtheile einer Familienanwartschast.
diese Frage zu Gunsten des Zugriffsrechtes der Gläubiger beantwortet werden zu
sollen, indem insbesondere Seite 101 von einem stärkeren Rechte der Gläubiger
die Rede ist, dem gegenüber im Falle des Konkurses zum Vermögen des Anwart-
schaftsinhabers etwaige von dem Anwärter ausgebrachte Sicherheitsmaßregeln gegen
Veräußerung des Anwartschaftsgegenstandes Seiten des Anwartschastsinhabcrs un-
wirksam bleiben müßten, und indem ferner S. 111 Anmerkung 150 a die Ansicht,
daß der Konkurs die Fideikommißstücke nicht zur Masse ziehen dürfe, als un-
richtig bezeichnet wird, da, solange der Kridar Eigenthümer der Familienanwartschaft
sei, die Rechte der Gläubiger nicht durch die „zukünftigen" Rechte der Anwärter
beeinträchtigt werden könnten. Nach dem Dafürhalten des Berufungsgerichts ist
indessen die obenbezeichnete Frage im entgegengesetzten Sinne zu beantworten.
Das Rechtsinstitut der Familienanwartschaft beruht, wie Freiesleben S. b
selbst hervorhebt, auf dem Grundgedanken, daß für den materiellen Wohlstand
einer bestimmten Familie rechtswirksam durch eine Stiftung Fürsorge getroffen
werden kann, wonach das Vermögen des Stifters oder Theile desselben unver-
äußerlich und unverschuldbar auf die Mitglieder der Familie in einer im Voraus
bestimmten Reihenfolge übergehen sollen. Es leuchtet ein, daß dieser Grundgedanke
sehr leicht illusorisch gemacht werdeu könnte, wenn die die Familienanwartschast
bildenden Gegenstände gleichwohl zunächst der Zwangsvollstreckung zu Gunsten der
Gläubiger des jeweiligen Anwartschaftsinhabers wegen persönlicher Schulden des-
selben unterliegen sollten und die Anwärter dem gegenüber lediglich darauf ver-
wiesen wären, zur Zeit ihres Eintritts in die Familienanwartschast, also vielleicht
erst nach einer langen Reihe von Jahren oder Jahrzehnten die inzwischen in Folge
der öffentlichen Versteigerung in alle Winde zerstreuten Gegenstände der Familien-
anwartschast bei dritten Personen aufzusuchen und denselben in Ausübung des
ihnen zustehenden Revokationsrechts wieder abzufordern. Die bekämpfte Meinung
stellt sich aber auch an der Hand der Einzelbestimmungen des B.G.B.'S als
unhaltbar dar.
Nach § 2529 des B.G.B.'S finden, soweit nicht ein Anderes bestimmt ist,
die Vorschriften über die Erbanwartschaft und die Vermächtnißanwartschaft auf die
Familienanwartschast Anwendung. Die Vermächtnißanwartschaft, welche hier in
Betracht kommen würde, da es sich um eine Rechtsnachfolge in einzelne Vermögens-
rechte handelt, hat ihrerseits im B.G.B. eine eingehendere Regelung nicht erfahren;
es kommen daher bei ihr die Grundsätze von der Erbanwartschaft insoweit zur
Anwendung, als sich nicht aus der Verschiedenheit zwischen der Gesammtnachfolge
und der Einzelnachfolge etwas Anderes ergiebt
vergl. Siebenhaar, Kommentar zu § 2525 des B.G.B.'S Bd. 3 S. 418
der 2. Aufl., Freiesleben, a. a. O. S. 34.
In § 2514 des B.G.B.'S wird nun ausdrücklich bestimmt, daß der Erbe an den
zur Anwartschaft gehörigen Sachen zwar das Eigenthnm erwirbt, sein Eigenthum
aber durch die Anwartschaft beschränkt ist, und nach § 2515 des B.G.B.'S

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