Full text: Themis <Göttingen> (Bd. 1 (1828))

12 I. Mittermaier, über die religiöse Erziehung
Belieber Hie Religion deS Kindes zu bestimmen; es
rechlfertgt sich vielmehr die Aufstellung der Vermu-
thung, daß der Wafer die Kinder in seiner eigenen
Religim erziehen lassen wolle , daher auch diese Ver-
muthuig dann fortwirkt,' wenn der Vater nicht ge-
genwäitig ist. — Die eben bemerkte Ansicht wird
aber euch durch den anderen oben angedeuteten Ge-
sichtspunkt der Verhinderung der ProselytenMacherei
gerechtfertigt. Sobald es nur von der Mutter ab«
hängen dürfte , in der Abwesenheit des Vaters die
Confession zu bestimmen, in der das Kind erzogen
werden sollte, so würde die Thätigkeit von Personen,
die im heiligen Amtseifer aus Schwärmerei oder Un-
verstand für den Himmel zu werben sich berufen füh-
len , eine gefährliche Gelegenheit erhalten. — Das
Weib, ihrer Natur nach mehr unter der Herrschaft
des Gefühls als des Verstandes stehend, wird immer
mehr an der Form ihrer Religion hangen, und au§
einer wohl begreiflichen Vorliebe dem Wunsche nach-
hangen , daß die Kinder auf dem Wege wandeln,
auf welchem sie zum Heile einzugehen hofft. Selbst
de den edelsten Müttern wird der Wunsch, daß das
Kind mit ihr in einem Tempel zu dem Herrn der
Welten bete, mehr oder weniger lebhaft in der Brust
sich regen. 'Kömmt nun zu einer solchen Mutter noch
ein Dritter hinzu, der ausgerüstet mit den Waffen
der Beredsamkeit und der konsequenten Ucberredung
diesem Wunsche der Mutter neue Kraft verleiht, oder
wohl selbst der Mutter zur religiösen Pflicht es macht,
das Seelenheil ihres Kindes zu retten, oder im
Hintergründe das drohende Gespenst ewiger Verdam-

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