Full text: Sächsisches Archiv für bürgerliches Recht und Prozeß (Bd. 8 (1898))

Literatur.

126
worfene Sachen. (Wegen der im B.G.B. nicht besonders erwähnten, dem Verkehr entzogenen
Sachen vergl. gg 109,138 des Eins.Ges.*) Bei einem Inbegriff von Sachen kann nicht dieser
Begriff als solcher, sondern können nur die einzelnen Sachen besessen werden. Die Bedeutung
des 8 865 des B.G.B.'s wird dahin bestimmt, daß an einzelnen Theilen einer Sache, selbst
wenn sie wesentliche Bestandtheile derselben im Sinne des § 93 sind, besonderer Besitz in-
soweit möglich ist, als sie besondere Jnhabung zulassen, und es wird dann an einzelnen
Beispielen gezeigt, daß Sonderbesttz pro äiviso bei Ungetheiltheit der Sache bei Immobilien
wie bei Mobilien Vorkommen kann.
Abschnittt III betrifft die rechtliche Bedeutung des Besitzes:
1. Der Besitz ist in vielen Fällen praktische Voraussetzung voller Rechtsausübung
(z. B. kann der Eigenthümer oder Nießbraucher einer Sache sie nur nutzen, wenn er sich im
Besitze befindet);
2. der Besitz bildet neben andern Umständen ein Thatbestandsmoment für den Ein-
tritt von Rechtsfolgen (er ist z. B. Voraussetzung des Eigenthumserwerbes an beweglichen
Sachen durch Aneignung oder Uebertragung: 88 958, 929, 930);
3. der Besitz ist schon als solcher der Grund gewisser Rechtsfolgen, bei denen zu unter-
scheiden ist zwischen den an den unmittelbaren Besitz und den an den mittelbaren Besitz als"
solchen geknüpften Rechtsfolgen:
a) Eine Reihe von Ansprüchen, wie der Eigenthumsanspruch (8 965), der Anspruch
auf Vorlegung (8 809 flg.) rc. sind gegen den Besitzer als solchen geltend zu machen. Hier
vertheidigt S. die Meinung, daß derartige Ansprüche nicht nur gegen den unmittelbaren,
sondern auch gegen den mittelbaren Besitzer allein erhoben werden können (S. 45 flg.)
b) die Verübung von Eigenmacht ist gegen den Besitzer verboten.
, c) der auf deutschrechtlicher Grundlage beruhende Rechtssatz en fait de meubles la
possession vaut titre .ist anerkannt (g 1006).
Eine kurze Zusammenfassung der an den mittelbaren Besitz geknüpften Rechtsfolgen
enthält S. 57, 68.
Abschnitt IV. enthält Erwerb und Verlust des Besitzes.
1. Erwerb: a) Allgemeines: Mit der Savigny'schen Ansicht, daß Besitz nur originär
erworben werden können, ist gebrochen: derivativer Besitzerwerb ist möglich (8 657, 654
Abs. 2). Hieran schließt sich eine Erörterung der Frage, wie man sich den Erwerb des
Besitzes zurecht zu legen hat.
, a) bei dem Erwerbe des unmittelbaren Besitzes ist im Gegensätze zum römischen Rechte
(adipiscimur possessionem corpore et animo) nur die Erlangung der tatsächlichen Gewalt
nothwendig (g 654 Abs. 1); ein Besitzwille (animus) ist nicht erforderlich; doch ist der Be«
sitzwille und dessen Bestätigung auch nach dem B.G.B. nicht bedeutungslos (S. 67 flg.).
An lehrreichen Beispielen wird gezeigt, daß man möglicher Weise die tatsächliche Gewalt
über eine Sache auch ohne Bethätigung des Besitzwillens, sogar ohne diesen Willen erlangen
kann (S. 71—74). Auch der Geschäftsunfähige, z. B. das Kind unter 7 Jahren, kann nach
8 854 Abs. 1 Besitz erwerben. In der Lehre von der Uebergabe haben traditio brevi manu
und constitutum possessorium**) eine andere Bedeutung als nach röm. Rechte. Zu Besitz-
Übertragung ist praesentia rei nicht unbedingt erforderlich; nach 8 654 Abs. 2 genügt zum

*) In Sachsen wird also auch ferner Besitz an Percussionsstöcken (Stockflinten) nicht
möglich sein vom 80. November 1835, G.- u. VBl. v. I. 1835, S. 642).
. 7 . **) Vgl. S. 78, 91. Nach röm. Rechte tritt im Falle des const. poss. Verwandlung
des bisherigen Besitzes in bloße Detention ein. Nach dem B.G.B. kann die andere Partei
mittelst des const. poss. nur den mittelbaren Besitz erlangen; im Uebrigen bleibt der Besitz
beim bisherigen Besitzer.

Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer