Full text: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte / Kanonistische Abteilung (4 (1914))

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Literatur.

schichts verein. 5. Heft). Halle an der Saale, Gebauer-
Schwetschke 1914. VI, 98 S.
Hatte Geß in seinen „Akten und Briefen zur Kirehenpolitik Herzog
Georgs von Sachsen" das Verhältnis der Wettiner zur Kirche ihres
Landes bereits kurz gekennzeichnet und insbesondere sich schon mit
Wilhelm III. und seiner Landesordnung von 1446 befaßt, so bietet
Wintruff zum ersten Male eine eingehende Darstellung der kirchlichen
Politik in Thüringen für die Zeit Friedrichs des Jüngeren, der gemein-
samen Regierung des Kurfürsten Friedrich des Sanftmütigen und
Wilhelms III. und der Alleinherrschaft Wilhelms, das ist der Jahre
1436—1482. Soviele gute Beobachtungen in der Arbeit sich finden, es
spricht in ihr stets mehr der landesgeschichtlich interessierte Historiker,
dem der Charakter der Landesfürsten und der äußere Verlauf ihrer
kirchenpolitischen Streitigkeiten und Maßnahmen wichtiger sind als
ihre Einfügung ins große Ganze der mittelalterlichen Kirchenverfassung;
das rechtliche Moment, die Wandlungen in den Beziehungen von Staat
und Kirche werden zwar nicht eben unterschätzt, treten aber doch
hinter der Schilderung der einzelnen Ereignisse sehr in die zweite Linie.
Es dürfte für diesen Mangel der Schrift W.s bezeichnend sein, daß
er gelegentlich der Verhandlungen mit Mainz 1443 zwar erwähnt, die
sächsisch-thüringische Partei hätte alle Fälle aufgezeichnet, in denen
das geistliche Gericht zuständig sein solle, daß der Leser aber diese
Fälle erst selbst aus einer der Beilagen feststellen muß. Nur in den
wesentlichsten Linien möchte ich versuchen, die Ergebnisse der Studien
W.s herauszuschälen.
So sehr sich die Landgrafschaft Thüringen, ein geographisch und
wirtschaftlich ziemlich einheitliches Gebiet, allmählich auch politisch
zusammenschloß, so wenig war dies in kirchlicher Beziehung der Fall.
Diözesan für den größten Teil des Landes war der weit entfernte Erz-
bischof von Mainz, für einen Teil auch die Bischöfe von Halberstadt
und Naumburg, und der Mainzer war auch Stadtherr des natürlichen
Landesmittelpunktes Erfurt, wenngleich seine Landesgewalt im 15. Jahr-
hundert schon sehr geschmälert war; hier hatte auch der Weihbischof
und der regelmäßige Vertreter der potestas iurisdictionis des Erzbischofs,
der Generalrichter, seinen Sitz. Das waren keine eben günstigen Vor-
bedingungen für den Herrn des Ländchens, der ja an Rang und Macht
dem ersten Kurfürsten und ersten kirchlichen Würdenträger des Reichs
weit unterlegen war, wenn er danach trachtete, die Kirche Thüringens
seiner Landesherrlichkeit unterzuordnen. Aus diesem Umstande ist es
wohl vorzüglich zu erklären, daß so lange Zeit der Weg der Verhand-
lungen anstatt der via facti eingeschlagen wurde, und W. hätte dies
bedenken müssen, bevor er den Vorwurf erhob, daß „ähnliche Unter-
suchungen in oft übertreibender Weise lediglich unter dem Gesichtspunkt
der Ausdehnung der landesherrlichen Macht geführt wurden". Wenn
Wilhelm III. „des öfteren erklärt hat, daß er bei seiner Kirchenpolitik
nur das Beste der Kirche, nicht eine Erweiterung seiner Rechte im

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