Full text: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte / Kanonistische Abteilung (4 (1914))

Literatur.

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der apostolischen Protonotare. Das Ernennungsrecht steht dem Papste
zu, doch ist bemerkenswert, daß Spanien und Österreich je einen Auditor
vorschlagen können. Das Gehalt beträgt 10000 Franken, von denen
aber jeder Auditor seinen obligatorischen Gehülfen (adiutor studii) mit
2800 Franken bezahlen muß (S. 108, 2).
Besonders eingehend wird weiterhin von Sch. die Zuständigkeit
der heutigen Rota besprochen, die jetzt nach Beseitigung der weltlichen
Herrschaft der oberste kirchliche Gerichtshof für die ganze katholische
Welt einschließlich der Missionsländer geworden ist, unter Ausscheidung
der verschiedenen Kongregationen, die auf die Verwaltung und (sanctum
officium) die Glaubenssachen beschränkt erscheinen (S. 170, 195). In
ordentlicher Weise ist die Rota vor allem zuständig als kirchliches
Berufungsgericht für die bischöflichen Gerichte, von denen jedoch in
zweiter Instanz auch das Gericht des Metropoliten angerufen werden
kann. In der dritten Instanz ist regelmäßig die Rota zuständig (8. 182),
auch dann, wenn sie selbst schon in zweiter Instanz ihr Urteil gefällt
hatte, gegen das aus triftigen Gründen Berufung eingelegt wird. Der
Grundsatz, daß die Übereinstimmung eines Urteils der Rota mit einem
solchen der Unterinstanz die Rechtskraft des Urteils herbeiführt, ist
der schnellen Erledigung kirchlicher Prozesse förderlich (S. 196). Als
Kassationsgericht ist die „Apostolische Signatur" vorhanden (S. 201).
Ausnahmsweise kann die Rota auch als Gericht erster Instanz angerufen
werden mit Übergehung des zuständigen Bischofs. In diesem Falle muß
jedoch der Papst zuvor seine besondere Erlaubnis und entsprechende
Anweisung ergehen lassen, was nur aus schwerwiegenden Gründen ge-
schehen wird, namentlich gehören hierher die „causae maiores", d. h.
vor allem Streitigkeiten zwischen höheren kirchlichen Würdenträgern
(S. 204ff.). Die ordentliche Jurisdiktion der Rota wird auch durch den
Tod des Papstes nicht berührt (S. 214).
Soll zum Schlüsse noch ein Werturteil über Schneiders Unter-
suchung abgegeben werden, so darf man sagen, daß Aufbau und Durch-
führung scharfsinnig und sorgfältig erscheint, daß der Verfasser an der
rechten Stelle auch eine besonnene Kritik zu üben versteht. Der ange-
kündigte zweite Teil soll das Verfahren der Rota zum Gegenstand haben.
Auch von ihm dürfen wir hoffen, daß er wichtige Klärung und Förderung
unsrer Erkenntnis bringen wird.
Rom. K. H. Schäfer.

Wilhelm Wintruff, Landesherrliche Kirchenpolitik in
Thüringen am Ausgang des Mittelalters (a. u. d. T.:
Forschungen zur thüringisch - sächsischen Geschichte.
Herausgegeben von dem mit der Universität Halle-
Wittenberg verbundenen Thüringisch - sächsischen Ge-

11.15. Wintruff, W., Landesherrliche Kirchenpolitik in Thüringen am Ausgang des Mittelalters

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